Tansania und die Partnerschaft mit dem afrikanischen Land standen
am Sonntag in Schwanheim im Mittelpunkt. Mit einem Gottesdienst
in der Evangelischen Kirche begann der Dekanats-Partnerschaftssonntag
um 15 Uhr, den die Fachreferenten für Mission und Ökumene
Pfarrer Dr. Hansjürgen Günther und Pfarrer Renatus Keller
gemeinsam mit dem Gemeindepfarrer Dominik Kanka gestalteten.
Jedes Jahr findet der Dekanats-Partnerschaftssonntag an einem anderen
Ort statt, in diesem Jahr war die Schwanheimer Kirchengemeinde Gastgeber.
Der Sonntagnachmittag hat Interessierte über die Partnerschaftsarbeit
des Evangelischen Dekanats Bergstraße mit dem Land in Ostafrika
informiert.
Zu Gast war der tansanische Pfarrer Yoram Karusya aus Gladenbach,
der Einblicke bot in die aktuelle Situation in dem Partnerland des
Dekanats. Er ist Mitglied der Karagwe Diözese, die zur Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Tansania gehört. Die Lutherische Kirche hat derzeit
20 Diözesen. Die Karagwe Diözese liegt im Nord-Westen
von Tansania und hat mit dem Dekanat Gladenbach eine Partnerschaft
Sein Bericht drehte sich vor allem um die Armut in Tansania und
ein aktuelles Problem das die Religionen und die Politik gleichermaßen
betrifft. Wegen sinkender Kaffeepreise und vieler Flüchtlinge
steigt das Elend. Tansania hat 36 Millionen Bewohner. Die tansanische
Verfassung garantiert Religionsfreiheit, und die Regierung respektiert
dieses Recht in der Praxis. In diesem Zusammenhang erstellt die
Regierung keine religiösen Bevölkerungsstatistiken. Bis
Ende des vergangenen Jahres ist geschätzt worden, dass 40 bis
45 Prozent Christen und 35 bis 40 Prozent Muslime dort leben. Der
Rest sind afrikanische traditionelle Religionen.
In Zansibar sind etwa 99 Prozent der ganzen Bevölkerung Muslime.
Auf dem Festland leben meisten Muslime in der Küstenregion
und in den städtischen Gebieten. 80 bis 90 Prozent der Muslime
sind Sunniten, die andere sind Shiiten. Unter den Christen sind
Katholiken, Lutheraner, Maravianer, Anglikaner, Pfingstkirchen und
viele Freikirchen.
Zwischen den Christen und den Muslimen besteht eine Art Konkurrenz,
berichtete Karusya. Stromausfälle werden zur religiösen
Diskussion, weil sie öfter am muslimischen Gebetstag passierten,
als am christlichen Sonntag. „Dann gibt es andere Dinge, die
auch wichtig sind“,meinte der Tansanier, der die Beziehung
der beiden Religionen beschrieb. „Zum Beispiel, wie viel Christen
und Muslime in der Schule und an der Universität sind, wie
viel Christen und Muslime in der Regierung sind. Die Regierung versucht
immer wieder, dass es keinen Streit gibt.“
Trotzdem gibt es Spannungen zwischen Christen und Muslims, insbesondere
in der Großstadt. Zum Beispiel, leiht die Regierung Studenten
Geld. Es gibt Studenten, die Theologie studieren wollen und sie
haben gewünscht, dass die Regierung ihnen Geld leiht. Aber
die Muslime haben gesagt, dass das Regierungsgeld nicht für
christliche Ausbildung genutzt werden darf. Die Gemeinden aber können
es sich nicht leisten die Ausbildung selbst zu finanzieren.
Ein anderes Beispiel: Die Muslime wollen, dass die Regierung die
muslimischen Staatsgesetze, die Sharia, einführt. Mit diesen
Staatsgesetzen werden die Hochzeiten der Muslime, Ehescheidung,
Erbrecht, Religion und Gottesdienst und Status der Muslime geregelt.
Die Regierung fing an zu diskutieren. Die Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Tansania haben eine Eingabe geschrieben. „In dieser
Eingabe sind vier Punkte wichtig“, so Karusya, „Erstens:
Seit wir die Selbstständigkeit bekommen haben, hat die Regierung
immer betont, dass sie keine Religion hat, und wir haben die Vorteile
dieser Idee gesehen. Zweitens: Alle Dinge, die im Sinn des Gesetzes
gemacht werden, werden aus Steuergeldern unterstützt. Das gilt
für alle Religionen. Warum sollen wir darüber diskutieren
oder akzeptieren, dass es vor dem Gesetz möglich sein soll,
dass Amt und Gericht einer Religionsgruppe eingeführt und mit
der Steuer aller Tansanier unterstützt wird? Drittens: Wenn
die Sharia Staatsgesetz wird: Wollen die Muslime damit eine besondere
Position in der Leitung dieses Landes? Viertens: Wie können
die muslimischen Staatsgesetze die Frauenrechte schützen?“
Ob die Regierung bereits auf dieses Schreiben der Bischöfe
reagiert hat, wusste der tansanische Pfarrer nicht.
Gerade auch der letzte Punkt war es, der bei den Gästen in
Schwanheim für Aufregung sorgte. Ergänzt wurde sein Bericht
im Anschluss von Bildern und Erfahrungen, die die Jugendlichen gemacht
haben, die die tansanische Delegation im Frühjahr begleitete.
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