Für die „Mission vor der Haustür“ kam Pfarrer
Hansjürgen Günter an die Bergstraße, am Sonntag
wurde er nach 27 Jahren als evangelischer Gemeindepfarrer und vier
Jahren als Pfarrer für Ökumene und Mission im Dekanat
Bergstraße in den Ruhestand verabschiedet. Musikalisch begleitet
wurde sein Abschied vom Dekanatsgospelchor Zwischentöne und
vom evangelischen Kirchenkirchenchor, beide unter der Leitung von
Marion Huth.
Pröpstin Karin Held überreichte ihm die Urkunde zur Entpflichtung,
nicht ohne an seine Ordination zu erinnern, seine Amtseinführung
im November 1973 – im gleichen Jahr hat Pfarrer Günther
auch promoviert. Wie wird man jemandem gerecht, der in Wittenberg
geboren wurden, der sein Studium unterbrach, um in Jordanien als
Hauslehrer zu arbeiten, der seine erste Stelle zwar in der Nordhessischen
Provinz antrat, dann aber nach vier Jahren als Theologiedozent in
Kalkutta arbeitet, fragte die Pröpstin. Wie wird man jemandem
gerecht, dessen Leben sich ausspannte zwischen Seeheim und Tansania,
wollte sie wissen. Günther engagierte sich als Lehrpfarrer
und stellvertretender Dekan im Dekanat Bergstraße. Als Fachreferent
für Mission und Ökumene rief er ein AIDS-Waisen-Projekt
ins Leben. Dieses Projekt ist aus der Partnerschaft zu Tansania
entstanden.
Bei ihrer Suche nach einem passenden Geschenk ist die Pröpstin
der Region Starkenburg einmal mehr fündig geworden. Ein Globus
soll die Stationen seines Lebens zeigen und auch die geplante Südamerikareise
umfassen. Auch für Gudrun Günther hatte sie etwas mitgebracht.
Neben einem Strauß Blumen gab es ein fast 100 Jahre altes
Gedicht über die Pfarrfrau.
Bei dem feierlichen Gottesdienst in der katholischen Kirche nutze
Pfarrer Günther selbst die Gelegenheit, sein Verständnis
von Mission, dem „christlichen Zeugnis unter Andersdenkenden“,
noch einmal auf den Punkt zu bringen. Und von der Hoffnung, die
der Glaube gibt, die Christen beseelt, zu sprechen. Er sieht es
als die Pflicht der Christen an, ihre Stimme zu erheben gegen Kinderarbeit,
Frauenhandel, Rüstungswahn oder Genmanipulation. Am Krankenbett
sei es wichtig, Menschen zu begleiten und ihnen Hoffnung zu schenken,
die ihnen die Krankheit raubt. Er selbst habe das am eigenen Leib
erfahren dürfen, wie wichtig das ist. Kritisch nutzte er auch
die Predigt, um die Kirchenleitung an die Hoffnung zu erinnern und
auf statistischen Zahlen nicht die Zukunft zu bauen. Christus verwandle
und reinige alle Religionen – daraus entstehe kein Absolutheitsanspruch
des Christentum, sondern einer Christi und der lasse sich nicht
einnehmen auch nicht von der Kirche.
Beim anschließenden Empfang im Pfarrer-Reith-Haus sprach Dekanin
Ulrike Scherf, die gemeinsam mit dem Kirchenvorstandsvorsitzenden
Volker Hartmann, dem Präses Axel Rothermel und Christel Fuchs
vom Dekanatssynodalvorstand die Fürbitten betete, besonders
von der Arbeit, die Günther über die Gemeindegrenzen hinaus
geleistet hat. Auch Präses Rothermel lobte den langjährigen
Gemeindepfarrer als Menschen, der um Grenzen weiß und Freiheiten
verteidigt.
Viele Menschen kamen zu dem Empfang, um sich persönlich von
Günther zu verabschieden. Den weitesten Weg hat ein Mitglied
aus dem Kirchenvorstand seiner ersten Gemeinde auf sich genommen.
Aus Nordhessen ist die Dame angereist. Von der katholischen Kirche
war Pfarrer Dr. Werner Pelz, die politische Gemeinde war mit Dr.
Walter Sydow vertreten, Die Pfarrerkollegen verabschiedeten sich
in großer Zahl, Renatus Keller für das Haus der Kirche,
Tabea Graichen für die Kollegen im Süden des Dekanates
und Pfarrer Hans-Peter Rabenau für das ehemalige Dekanat Mitte.
Nicola Benn-Wesp und Carsten Stein, die als Vikare bei Günther
ausgebildet wurden.
Die Gruppe, die aktiv an der Tansaniapartnerschaft mitarbeitet und
die ehemaligen Kirchenvorstände Dr. Georg Breidert und Dr.
Trabitzsch ließen es sich nicht nehmen Lebe wohl zu sagen.
Fehlen durften natürlich auch nicht Pfarrer Joachim Schließer,
der als Gemeindepfarrer ebenfalls in Seeheim wirkt und sich vom
„legitimen Nachfolger Petri“ mit einem Augenzwinkern
verabschiedete und die zahlreichen Gemeindegruppen. Moderiert wurde
der Nachmittag und Abend vom Kirchenvorstandsvorsitzenden Volker
Hartmann.
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