Der Erhalt der Erde spielt in der Politik eine immer größere
Rolle. Auch die Kirchen verschließen die Augen vor den Problemen
nicht. Die evangelische Pfarrerin Edith Unrath Dörsam sprach
deshalb mit Imam Hilmi Ünügür in der Sultan-Eyüp-Moschee
über den Schöpfungsbegriff in Christentum und Islam. Eingeladen
hatte dazu der Arbeitskreis Christlich-Islamischer Dialog im Kreis
Bergstraße. Die Verantwortung, die der Islam und das Christentum
schon jetzt übernehmen und künftig noch verstärken
sollten, war das Thema.
„Wir leben in dem gemeinsamen Haus Erde, das schon immer durch
katastrophale Veränderungen bedroht ist. Davon erzählt
die Bibel in vielen Geschichten“, leitete Unrath-Dörsam
in ihren Vortrag ein. „Als Christen glauben wir, dass die
Natur Gottes gewollte, gute Schöpfung ist“ und der Mensch
„als Krone der Schöpfung“ die Aufgabe habe, zu
bebauen und zu bewahren, erklärte sie den Muslimen die christliche
Sicht. Die muslimische Haltung ist ähnlich, so Imam Hilmi Ünügür.
Demnach gehören die Erde und das Weltall allen und müssen
geschützt werden. Der Mensch habe die Aufgabe die Umwelt zu
schützen und zu respektieren, damit diese „bis in alle
Ewigkeit in ihrer Blüte erstrahlen kann“.
Die bedrohlich zunehmende Erderwärmung – vor allem von
den Menschen verursacht – führe zu Klimakatastrophen,
so die evangelische Pfarrerin. „Der CO2-Gehalt der Atmosphäre
ist gegenwärtig höher als jemals in den letzen 650.000
Jahren der Erdgeschichte“, fasste sie wissenschaftliche Erkenntnisse
zusammen.
„Die Zeit ist knapp, aber wir Menschen können noch viel
tun, um unsere Umwelt zu retten.“ Sonst haben es künftige
Generationen schwer, warnte sie. „Eine Erwärmung um drei
Grad Celsius würde unser Ökosystem nicht verkraften. Wissenschaftler
sagen, wenn wir sofort und energisch umsteuern in unserer Energiepolitik,
dann können die Maßnahmen bis im Jahr 2020 Erfolg haben.“
Ein Beitrag im Kampf gegen die globale Klimakatastrophe könne
auch durch enge Zusammenarbeit beider Religionen möglich sein.
Bei der evangelischen Kirche gibt es Entwicklungen, die auch für
Muslime interessant und umsetzbar wären. Beim Kirchentag beispielsweise
sank die Abfallmenge in diesem Jahr um 15 Prozent, der Wasserverbrauch
um 25 Prozent und Papier wurde ein Fünftel weniger verbraucht.
„Es gibt viele Möglichkeiten, Energie zu sparen. In privaten
Haushalten, Kirchengemeinden und kirchlichen wie diakonischen Einrichtungen
können Energiekosten in hohem Umfang gesenkt werden“,
so die Evangelische Pfarrerin. 300 evangelische Kirchengemeinden
haben sich bereits dem Programm „Grüner Gockel/Grüner
Hahn“ der Evangelischen Kirche Deutschland angeschlossen,
bei dem ohne viele Investitionen bis zu 25 Prozent der Energiekosten
einer Kirchengemeinde eingespart werden können.
Auch „Solarenergie auf Kirchendächern“ ist eine
Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und erneuerbare Energiequellen
zu nutzen. Für die Muslime waren die Beispiele von Pfarrerin
Unrath-Dörsam, die Natur zu schützen, interessante Denkanstöße.
Der christlich-islamische Dialog bot darüber hinaus im Vorfeld
der Diskussion eine Führung durch die Moschee an und gab Einblicke
in muslimische Zeremonien.
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