25.09.2006 „Kinder brauchen biblische Geschichten“

Landestreffen Kindergottesdienst am 25. September in Rimbach

„Wir sind für die Seelen unserer Kinder verantwortlich“, das war nur einer der bedeutenden Appelle, den die über 300 Zuhörer am vergangenen Wochenende beim Landestreffen Kindergottesdienst in Rimbach aus einem Vortrag von Professor Fulbert Steffensky für ihr eigenes Engagement mitnehmen konnten. Sein Vortrag lebte durch die Emotionalität der Worte; gerade an den Erzählungen über heitere aber auch bewegende Momente aus seiner eigenen Familie wurde die Intensität seiner Botschaft deutlich.
Der Theologe und Erziehungswissenschaftler stellte die Räume und Bilder des Glaubens in den Mittelpunkt und gab Antworten auf die Frage, was den Kindern vermacht wird. „Das Ritual birgt und bildet die Seele und hilft ihr über die Abgründe hinweg, bis sie selbst laufen kann“, lautete eine seiner Botschaften. Rituale sind laut Steffensky verinnerlichte Abläufe, die Kindern Sicherheit und Orientierung bieten. Sie könnten den Alltag strukturieren und wichtige Begleiter in der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sein. Doch sie müssten mit den Kindern auch inszeniert werden, damit diese sie „in Besitz nehmen“ und sich in ihnen wieder finden. „Erzählt den Kindern Geschichten“, lautete seine Empfehlung und er plädierte ebenso dafür, dass neben den Ritualen auch die Orte und ihre Bedeutung wahrgenommen werden. Seinen Enkeln erzähle er immer bei Kerzenschein auf der dritten Treppenstufe seines Hauses Märchen und Geschichten. „Und dort gehen sie mit einer Kerze hin, wenn sie wieder eine Geschichte erzählt bekommen wollen“, erinnerte er sich an eigene prägende Erlebnisse.
Er appellierte an seine Zuhörer mit wachem Blick auch auf die Rituale des Sonntags zu achten. Früher fegte man zuvor die Straße, der Vater rasierte sich und die Mutter kochte ein Sonntagsmahl. Im ersten Moment erscheint dies heute unbedeutend, doch so bekam der Sonntag auch ein anderes Gesicht. Die Kinder konnten eine andere Sinnlichkeit und einen anderen Geschmack wahrnehmen. „Menschen sind die Co-Produzenten des heutigen Sonntags“, motivierte er dazu, in der Familie und dann auch in der Kirchengemeinde solche Rituale mit dem Glauben zu verbinden.
Beim Landestreffen Kindergottesdienst, veranstaltet vom Landesverband für Kindergottesdienst in Hessen und Nassau, trafen sich über 300 ehrenamtlich Engagierte rund um die Rimbacher evangelische Kirche zu einem Kreativmarkt. Unter dem Motto „Gepflanzt am Wasser des Lebens“ hatten sie heilende Geschichten, Rituale und Perlen des Glaubens im Blick. Zum Auftakt wurde gemeinsam ein Festgottesdienst gefeiert, der von Rimbacher Konfirmanden mitgestaltet wurde. Sodann wurden in den über 20 Arbeitsgruppen viele Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich diese Botschaften in den Alltag des gelebten Glaubens umsetzen lassen. Eigene Erfahrungen aus bisher veranstalteten Kindergottesdiensten konnten mit kreativen Impulsen verknüpft werden. Spürbar war auch der Mut, genau hinzusehen und auf die Sprache der Seele der Kinder zu hören. Sicherlich werden viele Aspekte in den nächsten Wochen und Monaten dann auch in den einzelnen Kirchengemeinden der vielen Ehrenamtlichen umgesetzt werden.
Die vielen motivierten Kindergottesdienstmitarbeiter/innen konnten sich kennen lernen, austauschen und viele Anregungen für die eigene - meist ehrenamtliche Arbeit - sammeln. Da konnten biblische Geschichten für Kinder erlebbar gemacht, die eigene Stimme entdeckt und Labyrinthe als uralte Symbole der Selbstfindung erkundet werden. Die Akteure wurden zu einer Exkursion in die Welt der Fantasie mitgenommen und konnten sich in Gestalten der Bibel hineinversetzen. Auch mit einfachsten Hilfsmitteln - Stoffen, Knöpfen oder Steinen -  kann man ganz persönliche Zugänge zu biblischen Versen finden. Dies verdeutlichte Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann in ihrer Arbeitsgruppe. Pfarrer Burkard Hotz widmete sich der heilsamen Berührung und den ermutigenden Erfahrungen, die Kinder aus einer persönlichen Segnung erleben können. „Schatzinsel-Kindergottesdienst“ - dahinter verbirgt sich die neue erlebnisreiche Kindergottesdienstform in der evangelischen Kirchengemeinde Rimbach. Gemeindepädagoge Wolfgang Grün und Christina Kühl konnten den Werdegang dieses sehr erfolgreichen Projekts darstellen.
„Ein großes Lob an die Rimbacher, sie haben uns wirklich gezeigt, dass wir sehr herzliches Willkommen sind“, dankte Sabine Fröhlich, Pfarrerin für Kindergottesdienst der EKHN, ausdrücklich den Gastgebern. In Kooperation mit dem Landesverband für Kindergottesdienst in Hessen und Nassau sowie dem Dekanat wurde diese Großveranstaltung organisiert. Man konnte sich kennen lernen, austauschen und viele Anregungen für die Gestaltung der eigenen Gottesdienste sammeln. „Die Projektstelle für Kindergottesdienst mit Beate Schumacher-Ries ist der reinste Segen für die Menschen des Dekanats - andere können sich so etwas nur wünschen“, unterstrich Sabine Fröhlich das vorbildhafte Engagement für Kinder der Region. Auch Dekanatsjugendpfarrer Renatus Keller übernimmt dabei eine wichtige Funktion. Die Anwesenheit von Dekan Frank Nocher und Dekanin Ulrike Scherf sowie von Dr. Eberhard Scholl, Vorsitzender des Landesverbandes für Kindergottesdienst, verdeutlichte ebenso, welchen hohen Stellenwert man der kirchlichen Arbeit mit Kindern gibt. „Das alles zeigt, wie aktiv Kirchenleben gestaltet werden kann und uns die Gemeinschaft des Engagement im Glauben prägen kann“, freute sich Sabine Fröhlich.
Bericht: Andrea Schwarz