„Irrsal
und Wirrsal über Urwirbels Antlitz“ – diese Sprache
ist es in ihrer urgewaltigen Ausdruckskraft und Rhythmik, die Martin
Buber auszeichnet und seine Bibelübertragung so hörbar
anschaulich macht. Dies war gewiss einer der Beweggründe, den
das Evangelische Dekanat Bergstraße dazu veranlasst hatte,
den diesjährigen vom Hessischen Rundfunk (hr 2) ausgerufenen
„Tag für die Literatur“ unter dem biblischen Leitgedanken
„Im Anfang war das Wort“ im Heppenheimer Haus der Kirche
jenem bekannten jüdischen Philosophen zu widmen, der über
viele Jahre in Heppenheim lebte und wirkte und an dessen Schaffen
noch heute das „Martin-Buber-Haus“ unweit des Landratsamtes
erinnert. Dem gegenüber stellten die Veranstalter an diesem
Abend noch die altvertraute Bibelübersetzung Martin Luthers,
ebenso die vieldiskutierte neue Bibelübertragung in der so
genannten „gerechten Sprache“. In unterschiedlichen
Textpassagen und von unterschiedlichen Lesern, u.a von der Darmstädter
Schauspielerin Iris Stromberger, wurden die biblische Schöpfungserzählung,
zwei Psalmen und der neutestamentliche „Prolog“ aus
dem Johannes-Evangelium einem großen interessierten Zuhörerkreis
an diesem Abend dargeboten. Dass diese Lesungen partiell auch in
den jeweiligen Ursprachen, hebräisch, griechisch und lateinisch
erfolgen konnten, gab der Veranstaltung eine besondere Farbigkeit.
Zu Beginn begrüßte Dekanin Ulrike Scherf die zahlreichen
Teilnehmer, allen voran Landrat Matthias Wilkes, ebenso die mitwirkenden
Theologen, Leser und Künstler, die dazu beigetragen haben,
diesem Abend seine herausragende Note zu geben. Christine Steigler,
Fachreferentin für den Bereich Bildung im evangelischen Dekanat,
zugleich Initiatorin dieser Veranstaltung, dankte in ihren einführenden
Worten insbesondere dem Ensemble der Musikschule Rimbach unter Leitung
von Michael Valentin, das zwischen den einzelnen Textlesungen die
Zuhörer sowohl mit typisch jüdischer Klezmer-Musik als
auch Elementen mittelalterlicher Kirchenmusik die biblischen Worte
meditativ unterbrachen. Zuvor gab Pfr. Friedhelm Pieber, Bad Nauheim,
der frühere Leiter des Martin-Buber-Hauses in Heppenheim, eine
kurze Einführung in Leben und Wirken des jüdischen Philosophen.
Eine Vertonung des 121. Psalms von Prof. Heinz Ufer, dem Ehrenpräses
des Dekanats, bildetet die Überleitung zu Martin Bubers Übersetzung
jenes bekannten Psalms: „Zu den Bergen hebe ich meine Augen,
woher wird meine Hilfe kommen?“
Zum Ausklang dieser außergewöhnlichen Veranstaltung zum
„Tag für die Literatur“, der im übrigen vom
Hessischen Wissenschaftsministerium eine besondere Förderung
erfahren hatte, eröffnete Christine Steigler die eigens dazu
initiierte Ausstellung mit Impressionen zu Martin Buber in Werken
von Nicole Hilkert, Gorxheimertal und Prof. Spartak Paskalevskie,
Sofia, ebenso mit Kalligraphien von Lothar Wittwer, Heppenheim.
Die Ausstellung im Haus der Kirche ist noch bis zum 1. Juli 2007
zu sehen, jeweils Dienstags und Donnerstags von 14 – 18 Uhr.
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