06.10.2006 In Farben des Regenbogens „Licht in die Zeit“ bringen

60 Aquarelle und Holzschnitte von Andreas Felger bis 5. November in der Gronauer Kirche

Gronau. „Die Kunst spielt mit den letzten Dingen ein unwissend Spiel und erreicht sie doch.“ Kunsthistorikerin Aloisia Föllmer wiederholte das Zitat von Paul Klee am Ende ihrer Einführungsrede, und als ihre Stimme verklungen war, zeugte lauter Beifall davon, dass sie die Botschaft von Andreas Felger auf den Punkt gebracht hatte. Mit 60 Aquarellen und Holzschnitten des 1935 geborenen Schwaben, der in der Jesus-Bruderschaft von Gnadenthal immer wieder neue Impulse für sein Kunstschaffen erhält, setzt die evangelische Kirchengemeinde Gronau-Zell ihre Kunstausstellungs-Reihe bis zum 5. November fort.

Seit Sonntag sorgen leuchtende Orange- und kräftige Rot-Töne, frisches Grün, strahlendes Gelb und mystisches Blau an den Wänden für eine farbenfrohe St. Anna Kirche. Ein blauer Halbkreis wird auf orangenem Untergrund zum Segel, ein großes, fast formatfüllendes Quadrat pulsiert vor den Augen des Betrachters, abstrakte Engel zeigen sich mit feuerroten oder tiefblauen Flügeln als streitbare und beschützende Wesen. Nein, Andreas Felger treibt mit dem Pinsel und dem Schnittmesser kein unwissend Spiel. Und dennoch steckt hinter der gestalterischen Kraft des Künstlers kein nüchternes Kalkül, sondern eine Beseeltheit, die im Innersten erfasst und trifft. Dafür dass sich Glaube und Kunst gegenseitig bedingen und  eine Wesensverwandtschaft haben, wie Pfarrer Renatus Keller vom Haus der Kirche bei der Vernissage am Sonntagabend erläuterte, legt Felgers Kunst beredtes Zeugnis ab.

Die Gemälde und Drucke, die auch zahlreiche Vernissage-Gäste aus der Region beeindruckten, haben nichts Verklärendes. Felger erhebt die Kraft der Farbe zum universellen Ausdrucksmittel, und sie hilft ihm dabei, den Schleier zum Unsichtbaren ein wenig zu lüften. In einer Zeit, in der sich auch das Visuelle in Fernsehen, Film und Werbung dem Zweck unterordnet, bringt einer wie Felger tatsächlich wieder „Licht in die Zeit“, worauf der Titel der Gronauer Ausstellung hinweist. Weil der Künstler akzentuiert, aber nicht überzeichnet bleiben seine in den Farben des Regenbogens gehaltene Bilder Angebote, ohne je aufdringlich zu werden. Dennoch besitzen sie eine Anziehungskraft, die zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit den polaren Kräften führt. Dort wo sich Hell und Dunkel, warme und kalte Farben begegnen, dort werden Tiefen und Höhen, Ferne und Nähe, Materielles und Immaterielles angesprochen.

Der Weg ans „Ende der schönsten Sackgasse Hessens“, wie Gemeindepfarrer Peter Voss bei seiner Begrüßung scherzhaft meinte, hatte sich zur Ausstellungseröffnung gelohnt. Gronaus Ortsvorsteher Peter Jenal riet aus eigener Erfahrung dazu, sich die Ausstellung mindestens zweimal anzuschauen, weil die Bilder jedesmal neu und ein wenig anders wirken. Seine Zeller Kollegin Tanja Marquardt lobte die Bereicherung des kulturellen Lebens beider Orte durch ihre evangelische Gemeinde und Stadtrat Reinhard Grohrock fand die Leistung des gesamten Kirchengemeinderats beachtlich, der sich außerdem über ein Lob von Ulrike Scherf, der Dekanin des evangelischen Dekanats Bergstraße-Mitte, sicher sein konnte. Christiane Opfermann (Sopran), Irene Mauruschat (Violine) und Konja Voll (Orgel) hatten der Vernissage mit Kirchenmusik von Margarete Schweikert, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Rheinberger und Georg Friedrich Händel einen glanzvollen musikalischen Rahmen verliehen. Bei Sekt und Weinen aus Gronau und Zell, die Walter Götzinger originell vorgestellt hatte, klang der Eröffnungsabend aus.

Die Ausstellung „Licht in der Zeit“ wird von mehreren Themenabenden begleitet.