15.11.2006 Jesus und Mohammed – Diskussionsabend zu Gewalt in den Religionen

Heppenheim/Hähnlein Eine lebhafte Diskussion zwischen Christen und Muslimen über Gewalt in den Religionen – das war das Ergebnis einer Veranstaltung am vergangenen Mittwoch in Hähnlein. Die Evangelische Kirche an der Bergstraße hatte zu diesem Abend eingeladen und der Ökumene-Pfarrer Dr. Hansjürgen Günther eröffnete mit einem Eingangsreferat. Darin machte Günther deutlich, dass Jesus im Unterschied zu Mohammed weder Heerführer noch Staatsmann sein wollte. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“, wäre seine Botschaft gewesen. Waffengewalt – auch zum Zwecke der Verteidigung – hätte er konsequent abgelehnt. Anders Mohammed: Durch ihn erhält der Islam nach Günthers Darstellung kämpferische Züge. Eroberung wäre im ersten Jahrhundert des Islam zentrales Paradigma geworden.
Die anschließende Diskussion wurde durchaus kontrovers geführt. Einig waren sich die ca. 40 Zuhörer/innen allerdings, dass von beiden Religionen im Lauf ihrer Geschichte viel Gewalt ausging. Doch während die Kreuzzüge heute von allen christlichen Kirchen als Verirrung und Verrat an der christlichen Botschaft verstanden würden, fiele die muslimische Bewertung des so genannten „Dschihad“ unterschiedlich aus. Viele islamistische Gruppen weltweit würden den Dschihad bis heute in einem kämpferischen Sinn deuten. Die 16 muslimischen Gesprächsteilnehmer des Abends allerdings betonten, dass sie den Dschihad nicht in einem militärischen, sondern bloß in einem spirituellen Sinn verstehen würden. Auf jedem Fall war man sich an diesem Abend einig darin, dass der Dialog sinnvoll ist und nach Fortsetzung ruft.