10.11.2006 Evangelische Kirche an der Bergstraße wählt Ulrike Scherf als Dekanin

Pfarrerin Ulrike Scherf ist oberste Repräsentantin der Evangelischen Christen an der Bergstraße. Die Synode des Evangelischen Dekanates Bergstraße wählte Scherf am Freitag mit überwältigender Mehrheit zur ersten Dekanin des am 1. Oktober 2006 aus der Vereinigung zweier Kirchenbezirke entstandenen neuen Dekanats. 91 (von 103) Synodale votierten für die 42-Jährige, die seit 1999 Dekanin des bisherigen Dekanates Bergstraße Mitte und Gemeindepfarrerin in Alsbach ist. Sie war einzige Kandidatin. Ab 1. Januar nächsten Jahres hat sie nun für sechs Jahre leitende Verantwortung für 34 Kirchengemeinden zwischen Seeheim-Jugenheim im Norden, Viernheim im Süden, Lorsch im Westen und Wald-Michelbach im Osten, zu denen etwa 78.000 evangelische Christen gehören. Zu ihren Aufgaben gehört die Dienstaufsicht über die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Beratung und Begleitung der Kirchenvorstände.

Scherf bedankte sich für das durch das deutliche Wahlergebnis ausgedrückte Vertrauen und versprach, sich besonders für das Miteinander im neuen Dekanat einzusetzen. „Ich würde gerne dazu beitragen, dass unser Dekanat zusammenwächst“, betont Scherf. Sie vergleicht dabei das Dekanat mit einem Orchester, in dem viele unterschiedliche Instrumentalisten miteinander musizieren. „Jedes Instrument ist anderes, jeder hat etwas anderes zu spielen. Doch nur gemeinsam ergibt sich ein schöner, voller Klang“, so Scherf. Entscheidend dabei sei, dass die verschiedenen Instrumente aufeinander abgestimmt seien. „Da muss der Geiger auf das Cello hören, die Harfenspielerin auf die Triangel, die Trompete auf die Tuba und so weiter. Jede einzelne Stimme aber ist für das Orchester wichtig, um den vollen Klang oder auch ganz bestimmte Klangfarben zu entfalten.“ Ihre eigene Rolle in diesem „Orchester“ sieht Scherf dabei in unterschiedlichen Positionen: „Mal gilt es, an der Melodie mit zu komponieren, mal zu dirigieren, mal die Leitung innerhalb einer Instrumentengruppe zu übernehmen, dann wieder den Rahmen zum Proben oder zum Konzert zu geben oder auch mich mit meinem Instrument in den Gesamtklang des Orchesters einzubringen.“ Was das übertragen bedeutet, macht Scherf an einigen konkreten Punkten deutlich. So legt sie besonderen Wert auf die regelmäßigen Personalgespräche mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, um mit ihnen Ziele und Visionen zu entwickeln. Und sie möchte regelmäßig bei den Kirchenvorständen vor Ort sein, um diese zu beraten und in schwierigen Situationen zu begleiten.

Dabei ist sie gerade auch an den Kirchengemeinden im süd-östlichen Teil des Dekanates interessiert. „Ich bin besonders gespannt auf die mir weniger bekannten Musikerinnen und Musiker, auf ihre Instrumente, ihre Begabungen, ihre Lieblingsmelodien und musikalischen Vorlieben“, greift Scherf das Bild vom Orchester wieder auf.
Doch bei all dem Musizieren dürfe nicht vergessen werden, dass ein Orchester nicht für sich selbst spiele. Es müsse mit seiner Musik die Menschen erreichen. So sei es Hauptaufgabe von Kirche, die christliche Botschaft für Menschen zum Klingen zu bringen. „Unser Klang soll vom Evangelium und vom Lob Gottes geprägt sein“, betont Scherf. Dabei könne es auch sein, dass Kirche die eine oder andere Gegenmelodie in die Gesellschaft hineinträgt. Beispielsweise wenn das Dekanat sich für Werte einsetzte, die offensichtlich gefährdet seien: „Wir haben von der Würde der Menschen zu singen, oder vom Schutz der Sonn und Feiertage.“ Evangelische Kirche müsse ihre Stimme erheben, wenn langjährig geduldete Asylbewerber von der Abschiebung oder die Lebensgrundlage von Menschen durch bevorstehende Betriebsschließungen bedroht seien. Wie schon bisher will sich die neu gewählte Dekanin in gesellschaftlich relevanten Fragen zu Wort melden. Gerade dabei legt sie aber besonderen Wert auf die Fortsetzung der guten Kooperation mit den Landkreisen Bergstraße und Darmstadt-Dieburg, sowie mit der Katholischen Kirche und verschiedenen Einrichtungen und Initiativen der Region.

Insgesamt zog Scherf ein positives Fazit der bisherigen Entwicklung der Evangelischen Kirche an der Bergstraße und bat die Synodalen, weiterhin um Gottes Segen für die gemeinsame Arbeit und die sich für das Evangelium einsetzenden Menschen zu bitten.


Bildunterschrift: Die DSV-Mitglieder Irmgard Wagner und Pfr. Frank Nocher gratulieren Pfrn. Ulrike Scherf nach ihrer Wahl zur ersten Dekanin des Evangelischen Dekanates Bergstraße.