15.11.2006 Informationsabend zu Gentechnik in Birkenau - Vertreter aus Kirche und Landwirtschaft weisen auf Risiken hin

„Die Chancen der modernen Technik muss man nutzen“ – so sagen die einen. Die anderen fragen, ob die Gentechnik überhaupt verantwortbar ist, ob die Risiken nicht zu groß sind.
Der Agenda-Arbeitskreis „Kulturland, Landwirtschaft und Naturschutz Birkenau“ und das Evangelische Dekanat Bergstraße setzen sich mit dieser Frage auseinander und luden vergangene Woche zu einer Informationsveranstaltung ins Birkenauer Rathaus ein.

Zu Beginn begrüßte Bürgermeisterin Ingrid Berbner die beiden Referenten sowie die zahlreich versammelten Anwesenden, unter denen viele Landwirte vertreten waren. Außerdem bedankte Berbner sich bei Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam für die auf vielen Themengebieten gute Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche an der Bergstraße.

Die Agrar-Ingenieurin Dr. Maren Heincke vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau machte die Unterschiede von klassischer und gentechnischer Pflanzenzüchtung deutlich. Ihr Blick war dabei auch auf den weltweiten Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO-Pflanzen) gerichtet.

Grundsätzlich begrüßte Heincke wie auch der zweite Referent des Abends, Dr. Willi Billau vom Regionalbauernverband Starkenburg, die biologische Grundlagenforschung als enormen positiven Wissenszuwachs. Heincke machte deutlich, dass es keine generelle Technik- oder Fortschrittskritik der Kirchen gibt. „Dennoch unterscheidet die Kirche zwischen der genetischen Grundlagenforschung und der Frage nach der tatsächlichen Anwendungsreife von Gentechnik im kommerziellen Gebrauch“, so Heincke. Dabei verwies sie auf die massive Veränderung des Erbgutes bei Pflanzen und Tieren. Bei eventuell negativen Folgewirkungen seien weltweit sehr viele Menschen betroffen, ein hohes Schadenspotential sei einzukalkulieren. Auch wies Heincke auf wirtschaftliche und soziale Folgen der Anwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft hin:

Als Landwirt und Vorsitzender des Regionalbauernverbandes konnte auch Dr. Billau, den Bauern nicht zu Anwendung von gentechnisch verändertem Saatgut raten. Er möchte das Vertrauen der Verbraucher in die Landwirtschaft nicht aufs Spiel setzen. Des Weiteren sieht er die Machtkonzentration einiger Konzerne und deren Monopolstellung mit großer Sorge. So besitzt jetzt schon die Firma Monsanto 90% des Weltmarktanteils bei GVO-Saatgut.

Auf die Frage der Zuhörer, ob Gentechnik ein Beitrag zu Bekämpfung des Hungers sein könnte, war die Antwort eindeutig. Dass 850 Millionen Menschen hungern sei nicht in erster Linie darin begründet, dass es zu wenig Nahrungsmittel gäbe. Hauptursache von Hunger in der Welt sei Politikversagen, allem voran Kriege, Korruption und Verteilungsprobleme. Naturkatastrophen sind nur zu 10% Ursache für Hunger in der Welt. Für die Landwirtschaft der Entwicklungsländer forderte Heincke standortangepasste Pflanzensorten und Anbaumethoden für Kleinbauern.


Weitere Informationen zum Thema "Gentechnik in der Landwirtschaft" sind erhältlich bei Pfarrerin Edith Unrath-Dörsam (06252 / 67 33 43) oder bei Rose Baumgartner (06201/ 397 -54)