Am
Sonntag (4.), seinem 64. Geburtstag, wurde Pfarrer Dirk Römer
im Gottesdienst von der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde in den
Ruhestand verabschiedet. Mit ihm zieht sich auch seine Frau Sibylle
aus der Mitarbeit in Heilig Geist zurück. Mit Römer geht
nicht nur ein Pfarrer mit „Kaufmannsblut“, wie er selbst
einmal der Pröpstin Karin Held erklärte. Sein Vater war
Kaufmann und auch er sei in gewissem Sinne einer. Denn ein guter
Kaufmann müsse werben und das tue er – wenn auch auf
einem anderen Gebiet. Neben der Öffentlichkeitsarbeit, die
Römer so gut versteht, lobte die Pröpstin von Starkenburg
zwei weitere Dinge, die auch jeweils mit einem Ö beginnen.
Ö wie Ökonomie .und Ökologie zum einen, zum anderen
ein Ö für Ökumene, die durch die beiden katholischen
Kollegen Pfarrer Hermann-Josef Herd und Pfarrer Lothar Röhr,
auch am vergangenen Sonntag, Gesichter und vor allem Glaubwürdigkeit
bekam.
Von sich selbst sagt der Geistliche, er würde nicht still sein,
will sich einmischen – jeder der Pfarrer Römer einmal
begegnet ist, wird seine Aussage bestätigen und unterstreichen.
Dekanin Ulrike Scherf befand deshalb auch den Tagesspruch mehr als
passend: „Herr, höre meine Stimme“ - „Sie
haben nicht nur dann geredet, wenn Sie gefragt wurden“, kommentierte
sie mit einem herzlichen Augenzwinkern und überreichte ihm
ein Buch über seine neue Heimat Lorsch, die die Dekanin selbst
auch gut kennt.
Nach 19 Jahren in Heppenheim, ist Pfarrer Römer nämlich
nach Lorsch umgezogen. Seit 1989 war Dirk Römer der Pfarrer
der Heilig-Geist-Gemeinde, Lehrpfarrer für zwei Vikarinnen,
seit 1995 unterstützt von Pfarrer Jörg Michas und Pfarrerin
Karin Weißer. Nach dem Studium der Theologie und Politik in
Frankfurt, Tübingen und München absolvierte Römer
das Vikariat in Mainz-Lerchenberg und ein Spezialvikariat mit dem
Schwerpunkt praktische Theologie bei Professor Dahm in Herborn.
Dem schloss sich eine vierjährige Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft
„Dienste in Übersee“ (Stuttgart) an. 1977 übernahm
er die Pfarrstelle in der Wormser Matthäusgemeinde, einer Gemeinde
im sozialen Brennpunkt. Er organisierte den Wormser Kirchentag im
Lutherjahr und wurde für ein Zusatzstudium in Publizistik freigestellt.
Dabei sammelte er Erfahrungen bei Funk, Fernsehen und Zeitungen,
die ihn prägten.
Römer setzte sich ein für die Integration von Migranten,
den christlich-islamischen Dialog des Kreises Bergstraße,
den er mitgegründet hat, trat für die Ökumene ein,
griff in Matinees aktuelle Fragen auf, gründete den Gesprächskreis
„Literatur und Religion“, regte den Bau des „Hauses
der Begegnung“ neben der Kirche und die Glasfenster von William
Keaton an. Das alles leistete er neben seinem Beruf als Seelsorger
der Heilig-Geist-Gemeinde, neben Gottesdienst, Konfirmandenunterricht,
langjähriger Leitung des Kirchenvorstands, seelsorgerlichen
Gesprächen, Besuchen bei Gemeindemitgliedern, der Verantwortung
für die Oberlin-Kindertagesstätte, seelsorgerlicher Betreuung
der Bewohner des Haus Johannes und Verhandlungen mit der Kirchenverwaltung.
Überregional engagierte er sich in der Evangelischen Kirche
Hessen-Nassau (EKHN) in der Männerarbeit, beim Islam-Arbeitskreis
der EKHN und der Filmjury der EKD. Bereits nach dem Auszug aus dem
Pfarrhaus hätten viele erkannt, wie viel Pfarrer Römer
nebenbei erledigt habe, schreibt die Kirchengemeinde.
Dabei habe ihn seine Frau Sibylle Römer bei allen Tätigkeiten
und Verpflichtungen kritisch begleitete. Sie habe selbst im Urlaub
mit Heilig Geist leben müssen, wenn Dirk Römer beispielsweise
Fotos für die nächsten Altennachmittage im Oberlin-Haus
aufnahm.
Sibylle Römer habe aber auch eigene Akzente gesetzt. Die Erfahrungen
mit den eigenen fünf Kindern führten zu einem jahrelangen
Gesprächskreis von „Eltern pubertierender Kinder“.
Sibylle Römer hat den „offenen Frauenkreis“ gegründet
und sich für die partnerschaftlichen Beziehungen zu der Frauengruppe
der Uhuru-Gemeinde in Daressalaam eingesetzt, auch wenn sie sich
beim ersten Gespräch mit dem Kirchenvorstand zurückhaltend
zeigte, wie Christel Fuchs erzählte.
Für den Singkreis der Gemeinde war sie die Ansprechpartnerin,
bei der alle Fäden zusammenliefen. Außerdem war sie zehn
Jahre stellvertretende Vorsitzende des „Fördervereins
für Kinder- und Jugendarbeit“ bei der Heilig-Geist-Gemeinde.
Text: Marion Körner/Kirchengemeinde
Bild: Marion Körner
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