Pfarrer
Gerhard Hechler gewann mit Gudrun Schulz beim Wettbewerb der Freien
Evangelischen Gemeinde in Jugenheim und das, obwohl er den eigenen
Kirchturm nicht erkannte. 1200 Euro konnten die beiden in Projekte
spenden, die ihnen am Herzen liegen. Das Geld stammt aus den Eintrittsgeldern
des Abends und geht jetzt in den Seeheimer Kräutergarten und
das Alte Forsthaus in Jugenheim.
Der Kräutergarten liegt Gudrun Schulz am Herzen, ist sie doch
stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen. Das Alte Forsthaus
wird derzeit umgebaut zu einer Demenz-WG. Die Demenz-WG wird die
erste im Landkreis sein und nicht die letzte, meint Pfarrer Gerhard
Hechler. „Angesichts der demoskopischen Entwicklung bekommen
wir Krankheiten, die wir früher nicht bekommen hätten,
weil wir nicht so alt geworden wären.“
Einen bunten Abend versprach die Freie Evangelische Gemeinde Jugenheim
bei der Einweihung ihres neuen Gemeindezentrums im Alten Bahnhof
– und ein bunter Abend war es auch, der geboten wurde. Gerlinde
Kugelstadt und Hermann-Joseph Bungert kämpften dabei ebenso
um den Sieg wie Olaf Kühn und Luise Bröning sowie Gerhard
Hechler und Gudrun Schulz. 30 Fragen rund um Seeheim-Jugenheim galt
es zu beantworten, dabei waren vergangenen und aktuelle Ereignisse
gegenwärtig, dazu kamen noch Fragen zu Kunst und Musik, auch
ihre Kenntnisse in Naturwissenschaften mussten die drei Teams unter
Beweis stellen. Dabei glänzten sie nicht so, wei das Fünf-Cent-Stück
um das es bei einer der Fragen ging. Das verfärbte sich nämlich
erst silbern und anschließend gold. Was diese Verwandlung
hervorruft, konnte keines der Lokal-Promi-Teams beantworten.
Moderiert wurde der Quizabend von Pastor Patrick Will und seiner
Frau Daphne, die sich die Fragen auch ausgedacht haben. Dabei standen
ihnen Claudia Becker und Michael Kaffka zur Seite. Daphne und Patrick
Will präsentierten neben den Aufnahmen der Kirchturmspitzen
auch Fragen zur ehemaligen Nebenbahnstrecke, an die das heutige
FEG-Gebäude als Bahnhof einst angeschlossen war. Gefragt wurde
nach der Spurweite der ehemaligen Nebenbahnstrecke und danach, wer
die erste Fahrkarte löste.
Die Teams hatten dabei auch Spezialaufgaben zu lösen: Die Frauen
mussten eine Creme auf Zeit anrühren, die Männer eine
Stehgreifrede anhand vorbereiteter Stichwörter halten, die
vom Publikum im Gottesdienstsaal per Applaus bewertet wurde.
Bürgermeister Olaf Kühn hatte das Publikum auf seiner
Seite, als er den Unterschied zwischen Seeheimern und Jugenheimern
erklären musste. Die Geburtstagsbesuche nahm er zum Anlass:
„Die Seeheimer Senioren erzählen dann von ihrer Gesundheit,
von Kriegserlebnissen, von Vertreibung. Komme ich nach Jugenheim,
erzählen mir die Jubilare sofort davon, wie schlimm alles geworden
sei, seit man mit den ‚Seeheimer Bauern‘ zwangsvereinigt
wurde im Zuge der Gebietsreform.“ „Schlimmer als Krieg
und Vertreibung gewesen“. Sei die Gebietsreform für die
Seeheimer, folgerte der Rathaus-Chef.
Doch auch damit konnte der Bürgermeister den Sieg nicht retten,
obwohl die Gäste sicherlich auch den beiden anderen Teams das
Preisgeld gegönnt hätten, hatten doch alle geplanten Verwendungszwecke
einen karitativen Hintergrund. Bungert und Kugelstadt wollten die
1200 Euro für das katholische Gemeindehaus und den Vorplatz
am Alten Bahnhof verwenden. Hätten der Bürgermeister und
seine Mitstreiterin Luise Bröning gewonnen wäre das Geld
nach Tschernobyl und in den Ev. Kindergarten geflossen.
Bild: Pfarrer Gerhard Hechler
Text: Marion Körner
|