Ingmar
Neserke sorgte für gute Stimmung in der Heppenheimer Christuskirche:
Rhythmisches Klatschen, laute Ingmar-Rufe, hysterisches Kreischen
bei den Frauen unter 50 und den Schlachtruf „Ingmar muss Bischof
werden“ - instruierte Ingmar Neserke das Publikum. So gefeiert,
wiederholte er seinen Auftritt und die Besucher in der Heppenheimer
Christuskirche waren lernfähig. Wie gefordert waren die Reaktionen.
Das Ganze hatte natürlich auch seinen Sinn. Wenn die evangelische
Kirche „fit für die Zukunft“ werden wolle, so erklärte
der Kirchenkabarettist, muss sie sich ein Beispiel an der katholischen
Kirche nehmen und mehr Personenkult betreiben.
Das ließen sich die Gäste, Pfarrer und Kirchenvorstände,
die überwiegend die Bankreihen der Kirche füllten, nicht
zweimal sagen. Nach der Pause klappte das Gekreische, die Hysterie
und die Fanrufe schon ganz ohne Anweisung. Ob das nun daran lag,
dass sie die Meinung von Pfarrer Ingmar Neserke teilten, die Kirche
auf diese Art und Weise fit für die Zukunft zu machen, ob einfach
die Begeisterung um das Programm mit Ihnen durchging, wird ein Geheimnis
bleiben.
Bei den Gesprächen in der Pause wurde aber deutlich, dass der
junge Pfarrer den Humor seines Publikums traf, die Geschichten,
die er erzählte einen wahren Kern haben und seine Musik durchaus
Gefallen fand. Denn Ingmar Neserke hat am Freitag mit Gitarre und
Stimme für Christlich Satirische Unterhaltung gesorgt. Eingeladen
hat die Notfallseelsorge Bergstraße zu diesem Event. Die Notfallseelsorge
wird vom Rettungsdienst, der Polizei oder Feuerwehr gerufen, wenn
etwas Schlimmes geschieht wie ein plötzlicher Tod zu Hause
oder ein Verkehrsunfall. Wenn Menschen in seelische Not geraten,
sind die Notfallseelsorger zur Stelle und begleiten sie in der Akutphase.
Durch Zuwendung und Beratung helfen sie in der Schocksituation über
die ersten schrecklichen Stunden hinweg, indem sie mit den Betroffenen
sprechen, den Abschied von Verstorbenen gestalten, trösten,
Angehörige verständigen und notwendige Schritte einleiten.
Am Freitagabend hatten die Männer und Frauen einen angenehmeren
Einsatz: sie verkauften Eintrittskarten, Getränke und Brezel
und Pfarrerin Barbara Tarnow begrüßte die Gäste.
Sie vergaß auch nicht der Christus-Kirchengemeinde zu danken,
die der Notfallseelsorge die Kirche und die Technik kostenlos zur
Verfügung stellte. Pfarrerin Tarnow hatte aber noch einen weiteren
– nicht ganz freiwilligen – Einsatz. Kurzerhand wurde
sie gemeinsam mit Pfarrerin Andrea Fröhlich Bestandteil von
Neserkes Programm. Die beiden Pfarrerinnen bekamen von ihrem Kollegen
goldene Flügel verpasst und wurden zu den Engeln auf Raffaels
Sixtinischer Madonna, die definitiv protestantisch sein müsse.
Raffaels Madonna hat nämlich etwas von Angela Merkel, befindet
Neserke und komponierte eine Hymne auf Angela: „Du weißt,
Deutschland kann ihr trauen – Madonna, Lichtfigur! Denn sie
ist nicht wie andre Frauen, die uns täuschen mit Schminke und
Frisur.“
Mit den Politikerinnen hat es der Kirchenkabarettist, der früher
mit politischen Programm auf der Bühne stand. „So ist's
immer gewesen, so wird es immer sein: Ich: Adam, Du: Eva –
ich: Tarzan, Du: Jane“, lautet sein Liebeslied für Karin
Wolff. Bei diesem Beitrag traten auch wieder feine Wortspiele zutage.
Über die Bildungspolitik - „das einzig Wahre war Steiner“
- kam er auf die Familienministerin und das eigentliche Problem
Deutschlands zu sprechen, den Mangel an Kindern, aber der sei nicht
wirklich ein Problem schließlich habe die Ministerin sieben
Kinder und wer keine habe, könne sich sicherlich eines „von
der Leyen“.
Die Themen am Freitag reichten von seinem Dasein als Pfarrer, über
die aktuelle Politik bis hin zu innovativen Ideen für Pfarrer
und die Kirche. So zum Beispiel die Zielgruppengottesdienst. „Schönen
guten Tag, meine Damen und Herren! Es begrüßt Sie ihr
Flugkapitän Ingmar. Wir bitten Sie während der Eingangsliturgie
sitzen zu bleiben“, könnte eine Messe für Vielflieger
beginnen.
Auch die etwas makabere Überlegung sich selbständig zu
machen, gefielen dem Publikum. Einen starken Partner habe er schon
gewonnen und zeigte den Katalog eines bekannten schwedischen Möbelherstellers.
Der Slogan zur Halbierung der Beerdigungskosten sei auch schon gefunden:
„Lebe hoch drei – sterbe durch zwei“ und die persönliche
Bindung, die das Unternehmen an Möbel durch die Namensgebung
erzeuge, sei auch bei Särgen ein hervorragender Gedanke. Da
habe „die Oma nicht mehr so viel Angst vorm Sterben“.
Die Eigenarten der Pfarrer, strapazierten vor allem die Lachmuskeln
der Kirchenvorstände, denn die meisten erkannten ihren in irgendeinem
Vorurteil wieder und bei der geforderten Zugabe kamen dann wieder
alle auf ihre Kosten, denn die Telekom diente als Vorbild für
die göttliche Hotline der Evangelischen Kirche Deutschland
0180 24 12 und wer wissen will, wie das aussehen könnte, sollte
Ingmar Neserke unbedingt live erleben. Die Termine gibt es auf seiner
Homepage www.ingmar-neserke.de.
Bild und Text: Marion Körner
Das Bild zeigt Pfarrerin Andrea Fröhlich und Pfarrerin
Barbara Tarnow als Engel des Raffael Gemäldes „Sixtinische
Madonna“ beim Auftritt von Ingmar Neserke in der Heppenheimer
Christuskirche
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