In
vielen Städten und Gemeinden des Dekanates Bergstraße
standen in den vergangenen Tagen Kundgebungen der NPD an, die mit
Hilfe vieler Gegendemonstranten verhindert werden konnten. Viel
Mut bewiesen einmal mehr auch die Mitglieder der Kirchengemeinden,
die ihre Haltung mit ihrer Anwesenheit und eindeutigen Plakaten
zum Ausdruck brachten.
Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinden Alsbach haben am Mittwoch
gemeinsam mit Schülern der Melibokusschule Alsbach und des
Seeheim-Jugenheimer Schuldorfs sowie der Initiative Umweltschutz
den beantragten Auftritt der NPD vermutlich verhindert. Rund 200
Demonstraten standen nahe der Straßenbahnhaltestelle Beuneweg,
um ihre Haltung gegen rechts kundzutun.
Mit selbstgebastelen Plakaten gaben sie der Personenstärke
noch Nachdruck. Auch in Seeheim, und Bickenbach konnte so der Auftritt
der NPD verhindert werden. Die Partei, die sich Erfolg bei der Hessischen
Landtagswahl erhofft, hatte für die Tage Kundgebungen und Infoveranstaltungen
in der südhessischen Region angekündigt, war aber in vielen
Städten damit gescheitert, weil die Anträge von den Städten
und Gemeinden abgelehnt wurden oder Gegendemonstranten Farbe bekannten
und ihren Unmut gegen die NPD zum Ausdruck brachten.
Auch in Heppenheim und Bensheim waren für Freitag ein Auftritt
der NPD geplant. Die Evangelischen Kirchengemeinden und das Dekanat
haben sich auch hier gemeinsam mit der Heppenheimer Asylgruppe und
Schülern der Odenwaldschule mit Plakaten gewappnet. Die Resolutionen
der Städte und des Evangelischen Dekanates schmückten
die Fußgängerzone schon am Morgen. Vom Bahnhof aus ging
es dann Richtung Innenstadt. Die Kundgebung der NPD war unterdessen
gerichtlich verboten worden, doch mit der Aktion wollten die Initiative
gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, die Kirchengemeinden
und das Evangelische Dekanat sowie Vertreter verschiedener Parteien
deutlich machen, dass Fremdenfeindlichkeit in Heppenheim nicht tatenlos
zugesehen wird.
Neben Margarete Bauer von der Initiative gegen Rechtsradikalismus
und Fremdenfeindlichkeit,, sprach auch Edith Unrath-Dörsam,
Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen
Dekanat Bergstraße: "Als Christen verstehen wir jeden
Menschen als einmalig und wertvoll. Als Gottes geliebtes Geschöpf,
dem wir Achtung und Anerkennung, entgegenbringen sollen –
Und Hilfe und Schutz, wenn dies nötig ist. Wir verstehen auch
die Schöpfung als Gottes Schöpfung, die nicht unser Eigentum
ist." Erklärt die engagierte Pfarrerin die Haltung der
Kirche.
"Ich habe mir die Mühe gemacht, in das NPD-Parteiprogramm
zu sehen und festgestellt, dass da nicht christliches zu finden
ist. Es geht um Volkstum und platten Biologismus. Es geht um den
„Erhalt deutscher Volkssubstanz“, es wird von der „angeblichen
Gleichheit aller Menschen“ gesprochen. Für Frauen ist
absolut vorrangig vor allem anderem beruflichen Tun die Erziehung
der Kinder. Und sie zitierte aus dem Parteiprogramm: :„Frauen
sollen nicht außer Haus arbeiten, da der Beruf in der Familie
sie voll auslastet.“ Zu den drängenden Problemen unserer
Zeit, ökologischen, wirtschaftlichen sagt diese Partei nichts,
so Edith Unrath-Dörsam.
Bereits am Mittwoch führten NPD-Aktivisten nach Angaben der
Polizei in der Bensheimer Fußgängerzone, in Heppenheim
und Lorsch unangemeldete Aktionen durch. Vier der acht Teilnehmer
wurden bereits identifiziert. Besorgte Bürger, die von Personen
der rechten Szene gesprochen und von der Aktion Bildmaterial gefertigt
hatten, informierten die Polizei. Nach deren Ermittlungen war die
achtköpfige Personengruppe Parolen skandierend und mit schwarz-weiß-roten
Fahnen ausgerüstet gegen 13.15 Uhr für kurze Zeit durch
die Fußgängerzone in der Hauptstraße gezogen. Offensichtlich
die gleiche Personengruppe lief kurz darauf ebenfalls unangemeldet
durch Heppenheim und Lorsch.
Weitere Aktionen konnten durch die sofort eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen
der Polizei verhindert werden. Im Zuge der Fahndung konnten von
den Beamten drei verdächtige Männer kontrolliert werden.
In ihrem Auto war Wahlkampfmaterial der NPD gefunden worden. Sie
hatten ihre Teilnahme an den Aktionen bestritten, konnten aber inzwischen
ebenso anhand von Bildmaterial als Teilnehmer der Aktion in Bensheim
identifiziert werden, wie ein bekannter NPD-Aktivist. Gegen die
vier Männer wurden Ermittlungen wegen versammlungsrechtlicher
Verstöße eingeleitet. Hinweise auf das Verwenden von
Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen haben sich bisher
nicht ergeben. Die Ermittlungen dauern an.
Das Bild zeigt das Plakat der Evangelischen Kirche in Alsbach
und von links nach rechts: Lukas Becker, Pfr. Horst Seyberth (Hähnlein),
Georg Rausch (Bürgermeister von Alsbach-Hähnlein), Manfred
Bäurle (Christliche Aktion Mensch-Umwelt), Elke Krauss (KV
Hähnlein, Synodale, Gertrud Hildebrandt, Doris Bonin-Müller
(KV Alsbach), Pfr. Thomas Beder (Alsbach), Dr. Mila Bath, Irmela
Prolingheuer (beide KV Alsbach und Synodale)
Text: Pressemeldung des Polizeipräsidiums Südhessen/Marion
Körner
Foto: Stefanie Becker
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