Wer
in den letzten fünfeinhalb Jahren im Heilig-Geist-Hospital
in Bensheim oder im Jugenheimer Kreiskrankenhaus verweilen musste,
hatte vielleicht das Glück, dass ein Klopfen an der Tür
die evangelische Pfarrerin Renate Weigel ankündigte. Fünfeinhalb
Jahre war sie als Krankenhausseelsorgerin in den beiden Häusern
und hat Kranken und ihren Angehörigen Beistand und Kraft gegeben
und sie aufgerichtet – auch wenn sie selbst in Ihrer Ansprache
die Aufrichtung aus Markus 1, 29-31 den Ärzten und dem Pflegepersonal
zusprach.
In dieser Bibelstelle geht es um die Aufrichtung, die Heilung, von
Simons Schwiegermutter. Jesus „trat hinzu und richtete sie
auf, indem er sie bei der Hand ergriff, und das Fieber verließ
sie alsbald“. Viele vergleichbare Beispiele aus ihren fünfeinhalb
Jahren Praxis hat Pfarrerin Weigel angebracht. Doch am Dienstagabend
nahmen die Krankenhäuser und auch das Dekanat Abschied von
der Pfarrerin, die künftig als Gemeindepfarrerin in Gundershausen
tätig sein wird.
„Ich durfte viele Aufrichtungen beobachten“, sowohl
im Heilig-Geist-Hospital, als auch in der Neurologischen Reha und
der Chirurgischen Abteilung. Aufrichtung kann man „nicht messen,
kontrollieren oder bezahlen“, aber es sei die Verantwortung
aller Christen, das zu tun. Indem Pfarrerin Weigel in die Zimmer
ging und Raum bot für die Patienten, für die Angehörigen
sowie für das Pflegepersonal und in der Krankenpflegeschule.
Wie wichtig die seelsorgerische Arbeit auch für das Personal
war, zeigt das Engagement der Pflegedienstleitung beim Abschiedsgottesdienst,
wo sie die Fürbitten übernahm. „Durch die Begleitung
der „Christlichen Krankenhaushilfe“ im Heilig-Geist-Krankenhaus,
durch die Mitarbeit in der innerbetrieblichen Fortbildung, in der
Krankenpflegeschule im Gesundheitszentrum Bergstraße in Heppenheim
und vieles mehr“, habe sich die Seelsorgerin in die Arbeit
der beiden Häuser eingebracht, weiß auch Dekanin Ulrike
Scherf.
Zwei Dinge haben die evangelische Geistliche in ihrer Arbeit beeindruckt,
zum einen die Gottesdienste in Jugenheim, an denen teilweise mehr
als 30 Patienten in Rollstühlen teilnehmen wollten und die
Gemeinde in den Sportraum ausweichen musste. Viel Anlass zum Dank
habe sie auch, wegen der „wunderbaren“ katholischen
Kollegen, die sie hatte. „Das habe ich immer als Geschenk
empfunden“, betonte sie und dieses Empfinden beruhte auf Gegenseitigkeit.
Denn Inge Gärtner und Pater Bertrand, die beiden katholischen
Kollegen aus Jugenheim und Bensheim sprachen ein Segenswort für
Weigel und vor allem Pater Bertrand, der aus Polen stammt, genoss
die Erfahrung von Ökumene, die er zuvor nicht kannte.
Pfarrerin Scherf betonte auch das Engagement im Dekanat: „Erinnern
möchte ich besonders an das Jahr, in dem Sie in Zwingenberg
während der Vakanz der halben Pfarrvikarstelle eingesprungen
sind und die Vertretung übernommen haben“, so Scherf
und auch am Dienstag waren Gemeindemitglieder bei der Verabschiedung.
Es fiel Scherf nicht leicht, die Pfarrerin zu verabschieden, doch
den Segen sprach sie gerne: „Gottes Segen begleite dich bei
diesem Übergang von Altem zu Neuem“ und sie teilte auch
mit Freuden mit, dass die Evangelischen Kirche weiterhin die Seelsorge
in beiden Häusern unterstützt und derzeit die Neubesetzung
der Stelle vorbereitet.
Text: Marion Körner
Foto: Liesel Völker |