Am
Freitag war die Sozialministerin Silke Lautenschläger in Jugenheim,
um 25.000 € für U3-Betreuung und 75.000 € für
die Demenz-WG an die Stiftung "Altes Forstamt in zu überreichen.
Sie betonte dabei die Wichtigkeit, dass die Kirche und Diakonie
in das zukunftsweisende Projekt eingebunden sind.
Pfarrer Gerhard Hechler zum Thema Demenz und Demenz-WG:
Ich habe zu Beginn meiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer 1999
das Problem demenzieller Erkrankung in einzelnen Familien als sehr
belastend für alle Beteiligten wahrgenommen und es sehr bedauert,
dass es keine kirchlichen oder anderweitigen Angebote für die
Betroffenen gab. Der Alltag war nervenaufreibend für die Angehörigen,
die als Ehepartner meist auch schon im fortgeschrittenen Alter waren.
Auszeiten, um zum Arzt zu gehen oder zum Friseur, mussten scharf
organisiert werden. Das Wissen über die Krankheit und dem Umgang
damit steckte damals noch in den Anfängen, auch bei Medizinern.
Im Privatbereich machten die Angehörigen im Umgang mit den
Kranken die Erfahrung, dass man ohne Wissen über die Demenz
den Familienfrieden beeinträchtigte, weil man entweder schulmeisterlich
oder die Krankheit ignorierend zu keinem befriedigenden Umgang miteinander
kam.
Unsere Familie pflegte selbst meine Schwiegermutter in unserem Hause
und sie litt die letzten 4 Jahre an Demenz. Von daher war ich froh,
dass sich im Raum der nördlichen Bergstraße eine AG Demenz
bildete, an der die Pflegedienstleiterin meiner Diakoniestation
verantwortlich mitarbeitete. Nach Fachvorträgen, die sehr gut
besucht wurden, bildete sich eine Angehörigengruppe, die sich
einmal monatlich (jeden 1. Dienstag im Monat um 19 Uhr) im ev. Gemeindehaus
Alsbach trifft.
Die Diakoniestation Nördliche Bergstraße bildete dann
Ehrenamtliche aus und stellt eine Fachkraft zur Verfügung,
um zwei Demenzgruppen anzubieten: Mo 14-17 Uhr im ev. Gemeindehaus
Jugenheim und Do 14-17 Uhr im Gemeinschaftshaus Sandwiese. Beide
Gruppen bieten wir in Zusammenarbeit mit den Kommunen Alsbach-Hähnlein
und Seeheim-Jugenheim an. Eine dritte Gruppe im Bereich Bickenbach
ist in der Planung. In den Gruppen werden die Teilnehmer mit gezielten
Beschäftigungen gefördert und die Angehörigen können
teilnehmen oder sich eine Pause gönnen.
Für die Nutzung einer Etage im Alten Forstamt war ziemlich
schnell die Entscheidung getroffen, dort eine Demenz-Wohngemeinschaft
einzurichten. Das Projekt wird vom Förderverein der Diakoniestation
(1. Vorsitzende: Der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Seeheim-Jugenheim,
Gerhard Etzold-Jordan) vorangetrieben, um es bei Beginn der WG einer
Mietergemeinschaft zu übergeben. Die Bewohner bzw. ihre Betreuer
bilden dann diese Mietergemeinschaft. Der Förderverein konnte
dank einer großzügigen Spende eine Fachfrau einstellen,
die die Pilotphase der WG wissenschaftlich begleitet. Frau Burgholte-Niemitz,
die bereits zwei Demenz-WGs in Darmstadt eingerichtet hat, hat im
Sommer 07 schon ihre Tätigkeit aufgenommen.
Die Demenz-WG wird die erste im Landkreis sein und nicht die letzte.
Angesichts der demoskopischen Entwicklung bekommen wir Krankheiten,
die wir früher nicht bekommen hätten, weil wir nicht so
alt geworden wären. Dem muss begegnet werden.
Synergieeffekte wird es mit der Kindergruppe des „SzenenWechsels“
geben, die im gleichen Haus untergebracht ist. Jung und alt werden
sich im Garten und Hof treffen, es wird das erste Mehrgenerationenhaus
im Landkreis sein. Beide Gruppen bekommen einen Gartenbereich (es
gibt Erfahrungen mit der Anlage von Demenz-Gärten, die wir
uns zunutze machen werden.
Das Forstamt liegt günstig am Rand des Ortszentrums, fußläufig
sind alle wichtigen Einrichtungen, Geschäfte und Praxen erreichbar.
Ich erwarte auch eine freundliche Aufnahme seitens der Nachbarschaft,
die laufend über das Projekt unterrichtet wird.
Das Projekt ist eingebettet in die Kommune und die Kirchengemeinden.
Text und Bild: Pfarrer Gerhard Hechler
Auf dem Bild von links:
Dr. Klaus Bröllos, Stiftungsbeirat und Kirchenvorsteher,
Bürgermeister Olaf Kühn, Stiftungsbeirat,
Dr. Heinz Schmitz, Stifter,
Sozialministerin Silke Lautenschläger,
Pfarrer Gerhard Hechler, Stiftgungsbeirat,
Gottfried Milde, MdL.
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