Tabea
Graichen heißt die neue Pfarrerin der Kirchengemeinde Affolterbach.
Am Samstagabend wurde sie offiziell in ihr Amt eingeführt.
Nach fast einem Jahr ohne Pfarrer kann sich die Kirchengemeinde
nun über eine dynamische und engagierte Seelsorgerin freuen.
Schon während der Vakanz übernahm sie vertretungsweise
Gottesdienste und lernte die Kirchengemeinde so in diesem Jahr bereits
kennen. Ute Gölz vom Dekanatssynodalvorstand sprach in ihrem
Grußwort von einem Ja-Wort, das sich die Pfarrerin und der
Kirchenvorstand an diesem Abend gegeben haben. Musikalisch umrahmte
der Kirchchor unter Leitung von Gabriele Thielitz den feierlichen
Gottesdienst.
Ein längerer Weg hat Pfarrerin Graichen, ins Gorxheimertal
und nun auch nach Affolterbach geführt, weiß Dekanin
Ulrike Scherf. „Jetzt haben Sie es gepackt und sind im Überwald“,
kommentierte Bürgermeister Joachim Kunkel mit einem Augenzwinkern.
Geboren wurde Graichen im württembergischen Bietigheim. Nach
Schule und Sprachenkolleg studierte sie Evangelische Theologie in
Tübingen und Heidelberg. Das Lehrvikariat nach dem ersten Theologischen
Examen absolvierte sie in Essingen. Dort fand auch ihre Ordination
statt, die kirchliche Amtseinführung der Pfarrerinnen und Pfarrer.
Danach folgte das Pfarrvikariat in Neubulach und Oberberken. Im
Plüderhausen war sie Gemeindepfarrerin, im Dekanat Weinsberg
Altenheimsselsorgerin und in Gellmersbach wieder Gemeindepfarrerin.
Nach ihrer Verheiratung ins Hessische wechselte sie von der württembergischen
in die hiesige Landeskirche. Im Gorxheimertal übernahm sie
eine halbe Pfarrstelle, die sie auch weiterhin inne hat. Dekanin
Scherf betonte auch ihre Fortbildungsfreude, die sich in ihrer Ausbildung
zur Psychologischen Beraterin sowie zur Mediatorin und in ihrem
Engagement beim Pfarrerausschuss der Landeskirche zeigen.
„Sie haben sich viel vorgenommen“, schloss Dekanin Scherf
ihre Ansprache über Graichens Werdegang. Denn Pfarrerin Graichen
wird künftig gemeinsam mit den Kirchengemeinden Gorxheimertal
und Affolterbach einen Spagat vollbringen müssen. Dekanin Scherf
gab ihr deshalb die Jahreslosung aus dem Ordinationsjahr Graichens
mit auf den Weg. „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und
nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden“,
zitierte sie Jesaja 40,31. „Es ist eine Einladung und Ermutigung,
bei allem, was kommen mag, auf Gott zu vertrauen, sich ihm anzuvertrauen
und aus diesem Vertrauen wiederum Kraft zu gewinnen, die Sie anderen
weitergeben können“, ermuntert die Dekanin Tabea Graichen
vor der Sendung und Segnung, bei der Pfarrer Gerhard Hechler und
der 2. Vorsitzende des Kirchenvorstands Rudolf Ader beteiligt waren.
Aber Scherf weiß auch, dass eine Pfarrerin natürlich
auf die Unterstützung ihrer Gemeinde angewiesen ist –
und in diesem Fall, aufgrund der pfarramtlichen Verbindung mit Hammelbach,
auch auf die gute Zusammenarbeit mit Pfarrer Stefan Ningel, der
zukünftig mit einem Viertel Dienstauftrag in Affolterbach tätig
sein wird.
Zumindest mit einem Ohr habe die Kirchenleitung die Wünsche
der Kirchengemeinde mit dieser Lösung erhört, so Wolfgang
Pütt, der erste Beigeordnete der Gemeinde Grasellenbach und
spielte damit auf die Kürzung der Pfarrstelle auf 50 Prozent
an. Und Renate Schmitt, die stellvertretende Vorsitzende des Hammelbacher
Kirchenvorstandes, verglich die beiden Kirchengemeinden mit der
Urgemeinde aus der Apostelgeschichte, die eine Gütergemeinschaft
hatten. Im Überwald sei das ähnlich, hier teile man sogar
die Pfarrer, kommentierte sie.
Pfarrer Ningel brachte sich bei dem Fürbitten-Gebet ein, ebenso
wie Ulrike Klever-Wichmann vom Kirchenvorstand, Pfarrer Hechler
und die Referentin für Kindergottesdienst im Dekanat, Beate
Schuhmacher-Ries, die in Affolterbach einen Dienstauftrag hat.
Die Vergangenheit und ein bisschen Wehmut begleiteten den Gottesdienst
am Samstag, denn mit der Begrüßung von Pfarrerin Graichen
galt es auch Abschied zu nehmen von Pfarrer Helmut Steigler, dem
ehemaligen Dekan, der in kürzester Zeit die Herzen der Affolterbacher
gewann, wie sich Ernst Eck, Kirchenvorstandsmitglied, ausdrückte.
Aber Steigler versicherte, dass es kein endgültiger Abschied
sei.
Pfarrerin Tabea Graichen grenzte sich in ihrer Predigt davon ab,
eigene Positionen in politischen oder kirchenpolitischen Auseinandersetzungen
leichtfertig mit biblischen Zitaten zu legitimieren. Damit werde
der jeweilige Gegner als gottlos ausgegrenzt. Der Predigttext dagegen
mache den Geist Gottes zum Richter über den rechten Weg der
Gemeinde und Kirche. Graichen empfahl an dieser Stelle Zurückhaltung.
Text und Bild: Marion Körner
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