Bei
der Sitzung am Donnerstag hat der Dekanatssynodalvorstand (DSV)
des Evangelischen Dekanates Bergstraße eine Resolution gegen
Rechtsextremismus und Intoleranz verabschiedet. Darin ruft er die
Christen in der Region zur Wachsamkeit und zum mutigen Eintreten
für Menschenrechte und Toleranz gegenüber menschenverachtenden
Tendenzen auf.
Der zwölfköpfige Vorstand bildet das Leitungsgremium der
Evangelischen Kirche in der Region. In dem Papier bekennt sich der
DSV einstimmig gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und
Rassismus. Denn die Missachtung der Gleichwertigkeit aller Menschen
sowie die Abschaffung der Demokratie geht auch die Kirche etwas
an. „Menschenwürde, Toleranz und Demokratie sind uns
hohe Güter, für die wir Christen einstehen“, heißt
es in der Erklärung.
Die Würde jedes einzelnen Menschen ist wichtig. Der DSV und
die Evangelische Kirche setzt sich für ein friedliches und
gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen und Bevölkerungsgruppen
ein. Soziale Probleme in der Gesellschaft sollen nicht auf Kosten
von Minderheiten gelöst werden. Im Sinne der Völkerverständigung
will das Evangelische Dekanat Bergstraße in Freiheit, Frieden
und Partnerschaft mit allen Nationen dieser Welt zusammen leben.
Gerade in diesen Tagen, in denen der 9. November sich jährt
und an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht im Jahre
1938 erinnert, als Synagogen zerstört und jüdische Mitbürger
bedroht und in ihrer Menschenwürde kollektiv gedemütigt
wurden, will das Evangelische Dekanat Bergstraße Stellung
beziehen. Der DSV legt damit Zeugnis ab für die Hoffnung auf
das Reich Gottes, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen werden.
Die Mitglieder des DSV fühlen sich mit den Opfern des Nationalsozialismus
verbunden und verurteilen deshalb ein Auftreten der Rechtsextremisten
in der Region. „Wir wehren uns besonders gegen Versuche rechtsextremer,
rassistischer und fremdenfeindlicher Gruppen, gerade das Bewusstsein
junger Menschen in ihrem Sinne beeinflussen zu wollen. Jugendlichen
brauchen keine populistischen Parolen und nationalistischen Weltbilder,
sondern Menschen, die glaubwürdig für ein friedliches,
respektvolles Zusammenleben in unserer Gesellschaft eintreten“,
so die Erklärung. Ebenso wie ein aktive Fremdenfeindlichkeit
wendet sich das Schreiben auch gegen Schweigen und "Wegsehen".
Denn das sei im Ergebnis eine Unterstützung und könne
leicht als Akzeptanz missverstanden werden.
Text: Marion Körner, Bild: Carsten Stein
Im Folgenden finden Sie die Resolution im Wortlaut:
Erklärung des Dekanatssynodalvorstandes des Evangelischen
Dekanates Bergstraße gegen Rechtsextremismus und Intoleranz
Der 9. November erinnert uns an die schrecklichen Ereignisse der
Reichspogromnacht im Jahre 1938 als Synagogen zerstört und
jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger bedroht und
in ihrer Menschenwürde kollektiv gedemütigt wurden.
Im Blick auf das unvorstellbare Leid, das durch die nationalsozialistische
Ideologie geschah, sieht der DSV mit Sorge auf die fremdenfeindlichen
und rassistischen Parolen rechtsextremer Gruppierungen – auch
in unserer Region.
Als Christen akzeptieren wir eine solche Haltung nicht.
Wir verstehen jeden Menschen als einmaliges, von Gott geliebtes
Geschöpf.
Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geht auch
uns als Kirche an, denn sie zielen auf die Missachtung der Gottebenbildlichkeit
/ Gleichwertigkeit aller Menschen sowie die Abschaffung unserer
Demokratie.
Menschenwürde, Toleranz und Demokratie sind uns hohe Güter,
für die wir Christen einstehen.
Wir beziehen deshalb entschieden Stellung gegen alle Auftritte
von rechtsextremen Gruppen, weil
- uns die Würde jedes einzelnen Menschen wichtig ist,
- wir uns für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben
aller Menschen und Bevölkerungsgruppen in unserem Land,
- wir soziale Probleme in unserer Gesellschaft nicht auf Kosten
von Minderheiten lösen wollen,
- wir uns für Völkerverständigung einsetzen und
wir als Christen in Freiheit, Frieden und Partnerschaft mit allen
Nationen dieser Welt zusammen leben wollen,
- wir uns den Opfern des Nationalsozialismus verbunden fühlen.
- wir Zeugnis ablegen wollen für unsere Hoffnung auf das
Reich Gottes, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen werden
Wir wehren uns besonders gegen Versuche rechtsextremer, rassistischer
und fremdenfeindlicher Gruppen, gerade das Bewusstsein junger Menschen
in ihrem Sinne beeinflussen zu wollen. Jugendliche brauchen keine
populistischen Parolen und nationalistischen Weltbilder, sondern
Menschen, die glaubwürdig für ein friedliches, respektvolles
Zusammenleben in unserer Gesellschaft eintreten.
Schweigen und "Wegsehen" ist im Ergebnis eine Unterstützung
und kann leicht als Akzeptanz missverstanden werden.
Wir erklären deshalb, dass wir entschieden gegen das Auftreten
der Rechtsextremisten in unserer Region sind.
Aktivitäten dieser Gruppen (wie etwa die NPD und ihre Gesinnungsfreunde
in den sog. "Kameradschaften", "Aktionsbüros"
und "Freien/Autonomen Nationalisten") beobachten wir mit
großer Sorge und rufen die Christen im Bereich des Evangelischen
Dekanates Bergstraße zur Wachsamkeit und zum mutigen Eintreten
für Menschenrechte und Toleranz gegenüber menschenverachtenden
Tendenzen auf.
Der Dekanatssynodalvorstand: Pfr. Thomas Beder (Alsbach), Pfr. Andreas
Kleeberg (Fürth), Präses Axel Rothermel (Hähnlein),
Dekanin Ulrike Scherf (Lorsch), Dr. Michael Wörner (Einhausen),
Renate Bras (Rimbach), stellv. Präses Hendrik Raekow (Mörlenbach),
Ute Gölz (Wald-Michelbach), stellv. Dekan Pfr. Frank Nocher
(Viernheim), Pfr. Thomas Blöcher (Reichenbach), Irmgard Wagner
(Zwingenberg) und Christel Fuchs (Heppenheim).
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