Vor
69 Jahren brannte am frühen Morgen des 10. November die Heppenheimer
Hirsch-Synagoge. SA-Männer hatten das jüdische Gotteshaus,
das 1900 geweiht wurde, angezündet. Es war die Pogromnacht,
in der das nationalsozialistische Deutschland versuchte, sich seiner
jüdischen Mitbürger zu entledigen. Die Zerstörung
der Gotteshäuser, ob in Hemsbach oder Worms, setzte sich fort
im körperlichen Angriff auf die Gläubigen, auf Juden und
Jüdinnen. Auschwitz und Buchenwald, Ravensbrück und Treblinka
bedeuteten den Tod von Millionen Menschen, von Kindern und Alten,
von Frauen und Männern.
Am kommenden Freitag, den 09. November werden die Glocken aller
evangelischen und katholischen Kirchen von 21.00 Uhr an eine viertel
Stunde lang läuten, um an dieses unglaubliche Ereignis in der
Bergsträßer Kreisstadt zu erinnern. Ein ökumenischer
Schweigekreis wird sich zeitgleich an der mit Kerzen illuminierten
Gedenkstätte für die niedergebrannte Synagoge (Starkenburgweg
/ Bensheimer Weg / Hermannstraße) und jüdischen Opfer
Heppenheims während 1933 bis 1945 treffen, um auf diese Weise
der Untat zu gedenken. Die Anwesenden wollen schweigend mahnen,
dass die Ehrfurcht vor Gott, welcher Religion auch immer ein Gläubiger
angehört, Menschen schützt. Nicht ohne Grund steht in
unserem Grundgesetz die Religionsfreiheit unter dem besonderen Schutz
des Staates. Den Abschluss der Gedenkfeier bildet die Lesung des
hebräischen Psalms 121 und aus dem Koran die Sure 2, 255, sowie
das gemeinsame Singen des Kanons „Herr, gib uns deinen Frieden“.
Text: Pfarrer Dirk Römer
Bild: aus METZENDORF, WILHELM, Geschichte und Geschicke der Heppenheimer
Juden, Heppenheim 1982
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