„Wohl denen, die in deinem Hause wohnen“, Psalm 84 war
Gegenstand der Predigt von Pfarrerin Cordelia Kopsch, der stellvertretenden
Kirchenpräsidentin. Sehnsucht liege in diesen Worten, Sehnsucht,
die klingt wie Heimweh, ein Gefühl, das allen vertraut sei.
Gleich ob etliche Kilometer entfernt oder nicht. „Heimweh
fragt nicht nach Kilometern“, es sagt einfach: „Zuhause
ist wo anders“. Zuhause sein heiße Geborgenheit, so
Oberkirchenrätin Kopsch. „Am Anfang muss etwas wie Heimweh
gestanden haben“, Heimweh, das vor 100 Jahren die trieb, die
die Kirche in Affolterbach bauten. „Es hatte schon einmal
eine Kirche hier gegeben“, weiß Pfarrerin Kopsch, die
später aber zerfiel. Von 1822 bis 1852 fanden dann gar keine
Gottesdienste statt und es gab Zeiten in denen die Predigten im
Wirtshaus gehalten wurden. Die Sehnsucht, das Heimweh haben eine
Jugendstilkirche entstehen lassen – eine Seltenheit im ländlichen
Raum.
Das Jubiläum der Gustav-Adolf-Kirche stand im Mittelpunkt des
Gottesdienstes am Samstag, bei dem Sparkassenfilialleiter, Steffen
Meierhöfer, die Gelegenheit nutzte seine Glückwünsche
zu überbringen. Bürgermeister Joachim Kunkel aus Wald-Michelbach
würdigte diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass das
Gotteshaus gebaut und so erhalten wurde.
Der Grasellenbacher Bürgermeister, Markus Röth, äußerte
seine Meinung zur Kirchenleitung, die in seinen Augen an falscher
Stelle kürze, wenn sie es bei den Pfarrern täte. Eine
Kürzung hatte auch die Affolterbacher Gemeinde zu verzeichnen,
wie Pfarrer Helmut Steigler in seinem Jahresrückblick berichtete.
Aber auch freudige Ereignisse standen ins Haus. Ein durchaus gelungener
Kinderbibeltag, eine Jubiläumsfeier und Konzerte. Am Samstag
zeigte sich die Kirchenmusik ebenfalls von der besten Seite. Kantor
Heinz Ulrich begleitete an der Orgel, Doris Steffan-Wagner und Martin
Steffan sangen in wunderbarer Harmonie aus der Bach-Kantate „Gloria
in excelsis Deo“ und Heinrich Schütz' „Eins bitte
ich vom Herrn“, außerdem sang der Männergesangverein
„Wallonia“ Wahlen unter Leitung von Thomas Reisig und
mit Dirigentin Gabriele Thielitz der Affolterbacher Kirchenchor.
In diesem Jahr gab es aber mehr Tiefen als die Kürzung der
Pfarrstelle. Die Kirchengemeinde musste den plötzlichen Weggang
des langjährigen Pfarrers Michael Heymel verkraften und noch
viel mehr einen schlimmen Unfall, bei dem im Juni Magnus und Elisa
ums Leben kamen.
Eine freudige Nachricht gab es am Samstag. Denn die stellvertretende
Kirchenpräsidentin Cordelia Kopsch war gleich in zweierlei
Funktion involviert. Schon vor der Predigt stellte sie der Gemeinde
die von der Kirchenleitung ernannte neue Pfarrerin vor. Tabea Graichen
ist die Bewerberin um die halbe Stelle in Affolterbach. Das Verfahren
ist fast abgeschlossen, es gibt nur noch eine Förmlichkeit:
Jedes wahlberechtigte Gemeindemitglied kann gegen die Ernennung
Einspruch einlegen. Allerdings nur aus drei Gründen. Zum einen
wegen einer Gesetzeswidrigkeit im Verfahren, zum anderen wegen erheblicher
Bedenken gegen die Lebensführung und geistlichen Haltung der
Bewerberin oder auf Grund wesentlicher Einschränkung der Dienstfähigkeit.
Bis zum 17. November kann bei Dekanin Ulrike Scherf Einspruch eingelegt
werden. Falls das nicht der Fall sein sollte, wird Pfarrerin Tabea
Graichen am 8. Dezember offiziell in ihr Amt eingeführt.
Text: Marion Körner
Bild: Ewald Imhof
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