Hat die Kirche einen weltweiten Auftrag? Dieser Frage widmete sich
Norbert Schroeder von der Christoffel Blindenmission in seiner Andacht
vor 90 Synodalen des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Durch
die Globalisierung sieht er den Auftrag als gegeben und träumt
davon, Blinde sehend zu machen, Hunger, Flüchtlingselend und
Armut zu verändern durch eine geeinte Christenheit. Vor Augen
hat er dabei den Gründer der Mission, Ernst Jakob Christoffel.
Auch er hatte einen Traum, fing mit kleinen Schritten an, heute
arbeitet die Mission in mehr als 100 Ländern. Im Großen
Saal der Bensheimer Christoffel Blindenmission haben sich die Kirchenparlamentarier
am Freitagabend zur Herbstsynode getroffen, um über den Haushalt
zu debattieren und Schroeder wünschte ihnen Einheit, weil gemeinsam
aus einem Traum Wirklichkeit werden könne.
Und die Synodalen zeigten Einheit bei der Verabschiedung des Haushaltes
für 2008. Im kommenden Jahr steht dem Dekanat weniger Geld
zur Verfügung, weil die Zuweisungen von der Landeskirche gekürzt
wurden. Ausgeglichen wurden die Kürzungen mit Zinsen der Rücklagen.
Damit waren die Parlamentarier einverstanden. Einstimmig verabschiedeten
sie den Haushalt und einstimmig wurde auch die Jahresrechnungen
2006, der damals noch zwei Dekanate, abgenommen.
Weniger einstimmig wurde über zwei Anträge abgestimmt,
die sich auf das Zuweisungssystem der Evangelischen Kirche in Hessen
und Nassau beziehen Das System regelt die Verteilung der Kirchensteuern
auf die Gemeinden und Dekanate. Diese haben die Möglichkeit
ihre Einwände in Form von Anträgen zu äußern,
die derzeit in den neuen Entwurf eingearbeitet werden. In dem Zuweisungssystem
werden neben der Anzahl der Gemeindeglieder auch die Pfarrstellen
berücksichtigt. Bisher werden Umbauten und Renovierungen an
den Pfarrhäusern von der EKHN je nach Bedarf finanziert. Der
Entwurf sieht vor, dass die Gemeinden mit einer jährlichen
Zuweisung der Landeskirche, für die bauliche Unterhaltung selbst
aufkommen. Jürgen Schellhaas beantragte, alle Pfarrhäuser
erst zu analysieren, bevor die bauliche Unterhaltung in die Verantwortung
der Gemeinden geht. Doch die Synode stimmte mehrheitlich gegen diesen
Antrag.
Erfolg hatte dagegen Schellhaas' Antrag die Zuweisungen nicht an
Pfarrstellen, sondern an Gottesdienstorte zu binden. Verliert eine
Gemeinde im Rahmen der Pfarrstellenbemessung eine ganze oder halbe
Pfarrstelle, verliert sie zusätzlich Geld. Wenn die Zuweisung
aber an den Gottesdienstort gebunden ist, kann durch Ehrenamtlich
trotzdem ein gottesdienstliches Leben gewährleistet werden.
Dieser Antrag geht nun an die Parlamentarier der Landeskirche, die
in einer Sondersitzung darüber debattieren und gegebenenfalls
das Zuweisungssystem ändern.
Neben den Finanzen, stand auch der Bericht der Dekanin Ulrike Scherf
auf der Tagesordnung. Scherf berichtete von den Visitationen, die
sie nun zum zweiten Mal im ehemaligen Dekanat Mitte durchführte.
Bei den Treffen mit den Kirchenvorständen ging es darum, Bilanz
zu ziehen, was in den vergangenen zwei Jahren erreicht wurde und
was die Kirchenvorstände beschäftigt. Die Bandbreite war
groß und reichte von der Kinder- und Jugendarbeit über
neue Gemeindeglieder und die theologische Arbeit im Kirchenvorstand
bis hin zu Leitlinien der Gemeinden. In Auerbach, Beedenkirchen,
Gronau-Zell, Reichenbach und Zwingenberg habe sich beispielsweise
vieles bewegt durch die Arbeit der Gemeindepädagogen.
Derzeit besuchen zudem die Pröpstin Karin Held, die Dekanin
und Mitglieder des DSV die Gemeinden im ehemaligen Dekanat Süd.
In diesem Zusammenhang freute sich Präses Axel Rothermel über
die Gemeinschaft im größeren Dekanat, die Glaubensvielfalt
und den Reichtum an Ideen, die in den Gemeinden vorherrschen. Die
Dekanin dankte allen Gemeinden für ihr großes Engagement.
Kinder- und Jugendarbeit stand am Freitagabend ein zweites Mal auf
der Tagesordnung, denn die neue Jugendreferentin Ulrike Schwahn
nutzte die Gelegenheit sich den Synodalen vorzustellen. Die 32-jährige
Sozial- und Gemeindepädagogin hat im Oktober ihre Stelle angetreten
und ist als dritte Kraft an der Seite von Bruno Ehret und Michael
Volkmar im Dekanat für die jüngere Generation zuständig.
Der stellvertretender Dekan Frank Nocher stellte die neue kirchenmusikalische
Konzeption vor. Wegen der Zusammenlegung der beiden Dekanate 2006
war es notwendig geworden die Konzeption neu zu überarbeiten.
Demnach arbeiten die Kirchenmusiker des Dekanats in fünf Vollzeitstellen
in der Bensheimer Michaelsgemeinde, in Seeheim, in Rimbach, in der
Auferstehungsgemeinde und der Christuskirchengemeinde in Viernheim,
in Birkenau und in Wald-Michelbach.
Bei der Pfarrstellenbesetzung ist Scherf zuversichtlich, die halbe
Stelle in Affolterbach noch in diesem Jahr besetzen zu können,
die möglicherweise zukünftige Pfarrerin, Tabea Graichen,
wird am Samstag um 16 Uhr der Gemeinde vorgestellt. Außerdem
ist noch je eine halbe Stelle in Alsbach und Mörlenbach vakant.
Aufs Ganze gesehen habe das Dekanat aber eine erfreulich gute Besetzung,
denn insgesamt sind 49 Stellen besetzt. In den kommenden zwei Jahren
werden aber in zehn Gemeinden die Pfarrer, meist aufgrund von Ruhestandsversetzungen,
wechseln. Im Gorxheimertal, in den beiden Heppenheimer Gemeinden,
in Zotzenbach, Schlierbach und Mörlenbach, sowie in Seeheim,
der Bensheimer Stephanusgemeinde, in Jugenheim und Lindenfels wird
es Veränderungen geben.
Bild und Text: Marion Körner |