„Unser Gott ist Zärtlichkeit!“ – Eine ungewohnte,
mutige, ja verstörende Behauptung in einer Welt, in der Coolness,
Durchsetzungsfähigkeit und Berechnung zu den Kardinaltugenden
zählen. Und gerade deshalb übt der Satz eine ungeheure
Faszination aus – auf viele, die Jahr für Jahr, Monat
für Monat nach Taizè pilgern oder zu Hause die Lieder
und Gebete der ökumenischen Kommunität pflegen –
ältere aber noch mehr ganz viele junge Leute, die offensichtlich
die Nase voll haben von allzu viel Cool-Sein-Müssen und Karrierewettlauf.
Denn dieser Satz von verschwenderischer unbedingter Liebe und Zuwendung
Gottes zu seinen (oder ihren?) Geschöpfen zieht sich wie ein
roter Faden durch die singende und lauschende Verkündigung
von Frère Rogers Kommunität. Er steht für einen
unüberhörbaren, unübersehbaren Akzent von Vertrauen
und Zuversicht in der großen Unübersichtlichkeit von
Welt- und Gottesanschauungen rund um den Globus.
Der Meditative Tanzkreis will auch in seinem Jubiläumsjahr
dieser Botschaft und ihrem lebendigen Ausdruck noch einmal öffentlich
Raum geben, im Rahmen eines Gottesdienstes zum Buß- und Bettag,
in dem gesungene und gesprochene Elemente des „Taizègebetes“
eine zentrale Rolle spielen sollen. Bei einigen der Lieder möchten
wir auch die Gelegenheit nutzen zur Geste, zum „Körpergebet“,
wie es sich aus dem meditativen Tanzen über Jahrzehnte entwickelt
hat.
Soweit zum „Bettag“. Wie aber kommt der „Bußtag“
ins Spiel? Achtsamkeit kann einem dazu einfallen und „andere
achten“, das Motto der Friedensdekade, die mit dem 21.November
abschließt, oder besser: sich vielleicht öffnen könnte
zu einem winzigen neuen Akzent im täglichen Einerlei. Es wäre
schon ein bemerkenswertes Stück Umkehr (sprich: Buße),
wenn es uns gelänge, mit ein wenig mehr Achtsamkeit und Respekt
das Andere, Fremde, Störende in uns und neben uns zu betrachten
und daraus zu handeln. Auseinandersetzung und Ringen um Standpunkte
soll dabei nicht verpönt sein. Aber mit dem liebevollen, barm-
(oder warm-)herzigen Blick, unter dem wir alle in Gottes Gegenwart
leben dürfen, sind vielleicht neue Begegnungen und Einsichten
gar nicht so ausgeschlossen –oder?
Einen ganz besonderen Abendgottesdienst gibt es am 21.11.07 um 20
Uhr im CVJM-Saal, Karl-Marx-Straße 1.
Text: Johanna Lindig
Bild: Gemeinde Bickenbach
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