22.11.2010 Startschuss für die hessische Sonntags-Allianz - Beifall für Heppenheim


Mit der Fachtagung “Ohne Sonntag fehlt dir was!“ in der Stadthalle von Hofheim hat sich die neu gegründete Allianz für den freien Sonntag in Hessen erstmals öffentlich präsentiert. Das Evangelische Dekanat Bergstraße zeigte bei der Fachtagung die Ausstellung „Mein Sonntag“ und berichtete über die praktischen Erfahrungen mit dem Sonntagsschutz in der Region Starkenburg.

Zur Hessen-Allianz haben sich unter anderem die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck, die katholische Kirche in den Bistümern Fulda, Limburg und Mainz, die Gewerkschaft ver.di und andere Organisationen zusammengeschlossen. Die Allianz kündigte an, sich in die politische Diskussion um Sonntagsarbeit und um die im nächsten Jahr anstehende Neuregelung des hessischen Ladenöffnungsgesetzes einzuschalten. Bernhard Schiederig vom ver.di Landesbezirk Hessen erklärte, dass „namhafte Juristen“ prüfen werden, ob das hessische Ladenöffnungsgesetz mit dem Grundgesetz und mit der hessischen Verfassung vereinbar sei. Ver.di werde gegebenenfalls gegen das Gesetz klagen.

Professor Franz Segbers (Foto links), Sozialethiker an der Universität Marburg, ging in seinem Vortrag der Frage nach „Wem gehört die Zeit?“. Nachdem der Samstag als arbeitsfreier Tag verloren sei, erlebten wir jetzt den Angriff auf den Sonntag. Wer den Sonntagsschutz aushöhle, wolle auch den Sozialstaat abschaffen, so Professor Segbers. Er forderte Kirchen und Gewerkschaften auf, nicht nur Abwehrkämpfe zu führen und den  Sonntag zu verteidigen, sondern gemeinsam eine „Kultur des Zeitwohlstands“ zu entwickeln. Die entscheidende Frage sei, wer bestimme über die Lebenszeit von Menschen. Segbers appellierte an die Allianz für den freien Sonntag, offensiv Alternativen für ein Zusammenleben in der Gesellschaft  zu formulieren, bei dem  es „um mehr gehe als um bloßen Konsum“. Dazu, so Segbers These, müsse die „Hegemonie“  (Vorherrschaft) über die Zeit zurückerobert werden.

Unter den rund 100 Besucherinnen und Besuchern der Fachtagung fand die Ausstellung „Mein Sonntag“ mit Porträts von Menschen aus der Region Bergstraße ebenso Beachtung wie der vom Evangelischen Dekanat Bergstraße herausgegebene Sonntagskalender für 2011. Er zeigt im Din A3-Format zwölf Motive aus der Ausstellung „Mein Sonntag“ und wird gegen eine Spende von sechs Euro abgegeben. Der Erlös ist für die Tafel in Rimbach bestimmt. Auch der Bericht über die Aktionen und Aktivitäten der regionalen Allianz für den freien Sonntag in der Region Starkenburg stieß auf Interesse, insbesondere die Nachricht, dass mit der Kreisstadt Heppenheim die erste und bislang einzige Kommune der Starkenburger Sonntagsallianz beigetreten ist. Dafür gab es spontan Beifall für Heppenheim. Die Anwesenden teilten offensichtlich die Überzeugung, dass das Beispiel Heppenheim hessenweit Schule machen sollte. Auch das Evangelische Dekanat Odenwald stellte an einem Info-Tisch seine Aktion „Heute ist mein Sonntag“ vor, die im nächsten Jahr in verschiedenen Odenwald-Gemeinden gestartet wird.

Schriftliche Grußworte erhielt die Hessen-Allianz vom Kirchenpräsidenten der EKHN, Dr. Volker Jung. Er betonte, dass der Sonntag „der Schöpfung und nicht der Wertschöpfung dient“. Grußworte kamen auch von den drei katholischen Bischöfen Heinz Josef Algermissen (Fulda), Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg) und Karl Kardinal Lehmann (Mainz). Der Mainzer Bischof schrieb zur Auseinandersetzung um den freien Sonntag wörtlich: „Wenn es sein muss, dürfen wir einem neuen ‚Kulturkampf’ nicht ausweichen“.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.sonntagsallianz-hessen.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet

 




 

 





 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 




 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: bet