| 17.05.10 "Unternehmerische Verantwortung und gewerkschaftliche Solidarität - ein Widerspruch?" |
Die kirchlichen Vertreter beriefen sich auf das gemeinsame Sozialwort der Kirchen von 1997, dessen Aussagen immer noch aktuell seien. Gerechtigkeit und Solidarität blieben weiterhin zentrale Forderungen. Die katholische Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt ging auf die im Saal sichtbare Plakate der Demonstranten ein und hob die Wichtigkeit einer funktionierenden Mitbestimmung hervor, Annette Claar Kreh (Dekanat Vorderer Odenwald) beschrieb die schwierige wirtschaftliche Situation, auf die sie vor allem im südlichen Odenwald treffe, wo Familien massiv unter den Anforderungen an „Flexibilität“ litten, und Volkhardt Guth, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung in Rüsselsheim, ergänzte diese Darstellung durch Zahlen aus seiner Stadt, die mit einer Arbeitslosenquote von 11% zu kämpfen habe und wo 23% der Kinder in die Kategorie „arm“ einzuordnen seien. Auf die in Richtung Kirche erhobene Kritik an der KDAVO (dem kircheneigenen Tarifwerk), die auch für kirchliche Mitarbeiter Verschlechterungen gebracht habe antworteten die Dekane Mander und Allmann, sie teilten einerseits diese Kritik, hätten andererseits im wirtschaftlichen Zugzwang gestanden. „Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir ihn Darmstadt schon keine Diakoniestation mehr“ so Mander. Hier sei es nicht um Gewinnmaximierung gegangen, sondern ums Überleben der Einrichtung – und ihrer Arbeitsplätze. Heftig wurde die Diskussion mit dem Publikum, als es um die unternehmerische Politik von Maximail ging. Man mache eben keine Gewinne, sondern im Gegenteil Verluste, beteuerte Bach, wollte sich aber zu dem Unternehmen nicht äußeren, da es sich in Insolvenz befinde. Die anwesenden Gewerkschaftsvertreter kritisierten, dass mit der Vergabe von Aufträgen an scheinselbständige Agenturen zu niedrigen Stücklöhnen ein neues Prekariat (= eine soziale Gruppe von Menschen, die ungeschützte Arbeitsverhältnisse bzw. keine oder selten Arbeit haben) geschaffen werde und dass damit wie auch in anderen Branchen der Staat zur Subventionierung von Niedriglöhnen gezwungen werde. Das müsse aufhören. Auf die Schlussfrage des Moderators Dekan Norbert Mander, was die Beteiligten tun könnten, damit man in einem Jahr sagen könne, der soziale Frieden sei sicherer geworden, antwortete Unternehmer Bach noch einmal mit seinem Vorsatz, wenn irgend möglich sichere Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten. DGB-Chef Planert sagte: Der soziale Frieden wird sicherer, wenn es weniger prekäre Arbeitsverhältnisse und weniger Hartz-IV-Empfänger gebe. Dafür werde man kämpfen. Mander wünschte sich weitere Gespräche auf Augenhöhe zwischen den Konfliktpartnern zum Wohl der Unternehmen wie der Beschäftigten und deren Familien.
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