30.03.2009 Frühjahrstagung der Dekanatssynode: Den Stummen eine Stimme geben


Das Thema „Armut“ stand im Zentrum der Beratungen der „Parlamentarier“ aus den 34 Kirchengemeinden des Evangelischen Dekanats Bergstraße, die in Gadernheim zusammen gekommen waren. Dabei war man sich einig, dass Kirche sich nicht nur in der direkten Hilfe für die Betroffenen engagieren muss. Kirche, so das Credo der Synode, muss als Anwalt der Schwachen für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen.

In seinem Vortrag zu Beginn der Veranstaltung hatte Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, die Anwesenden über die aktuellen Entwicklungen und die wichtigsten Handlungsfelder in der Armutsbekämpfung informiert. In zehn Thesen zeigte er den Anwesenden unter anderem auf, wie Kinder zum Armutsrisiko werden. Er erläuterte warum Arbeit keine Sicherheit vor Verarmung mehr bietet und beschrieb die Zusammenhänge zwischen politischen Weichenstellungen der letzten Jahren und der aktuellen Entwicklung. Für ihn ist Armut im „reichen“ Deutschland ein „gemachtes“ Problem.

Gern, der auch als Sprecher der Nationalen Armutskonferenz fungiert, erteilte allen eindimensionalen Lösungsansätzen eine Absage. Er forderte die Vernetzung von Ehrenamt und Profession betonte aber das Primat der Politik: Nur im Zusammenwirken von Maßnahmen z.B. der Arbeitsmarkt-, Steuer-, Wirtschafts- und Bildungspolitik könnten Wege aus der Krise gefunden werden. Dabei nahm er auch die Kirchen verstärkt in die Pflicht: „Es ist unser Auftrag, als Stimme der Stummen zu wirken.“ Sein mit Vortrag endete mit der Mahnung, dass wachsende Armut zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden könne. Gern: „Kippt der soziale Ausgleich – kippt die Demokratie“.

„Diakonie ist Kirche“, betonte Präses Axel Rothermel, der Vorsitzende des Synodalvorstands. Er machte deutlich, dass es christlichem Selbstverständnis entspricht, für die Schwachen zu wirken und er bat die Kirchengemeinden sich dieser Verantwortung auch in Zukunft zu stellen. Rothermel: „Ich glaube fest daran, dass wir uns in der Entwicklung der sozialen Gemeinschaft vor Ort engagieren müssen.“

Wie vielfältig die Herausforderungen sind, die dabei auf die Kirchengemeinden zukommen, verdeutlichten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Acht verschiedene Themen, von grundsätzlichen Fragestellungen bis zu aktuellen Projekten, wie die Qualifizierungsinitiative des Diakonischen Werks oder das Konzept für einen Kurs zum „Auskommen mit dem Einkommen“ wurden in Kleingruppen diskutiert. Die Ergebnisse der Arbeit wurden den Teilnehmenden dann in Form von Plakaten präsentiert. Dabei zog sich die Forderung nach einer „neuen Sensibiltät“ für die oft im Verborgenen laufenden Prozesse von Verarmung wie ein roter Faden durch das Erarbeitete. Zudem gelte es, das Wissen um bestehende Hilfsangebote zu verbessern, den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zu stärken und den Mut zu finden, neue Wege zu gehen. Dass das Thema Armut mitten in der Arbeit des Dekanats angekommen ist, zeigte sich in dem Beschluss des Synodalvorstands, den Aufbau der Weschnitztaler Tafel mit einem Zuschuss von 10.000 EURO zu fördern.

Der zweite Teil der Tagung widmete sich zunächst den Schwierigkeiten der Pfarrstellenbesetzung. Besonders halbe Stellen erwiesen sich zunehmend als unvermittelbar. Dekanin Ulrike Scherf forderte die Kirchengemeinden auf, hier kreativ und offen an Lösungen auch über Gemeindegrenzen hinweg mit zu wirken. Sie war es auch, die ihrem scheidenden Stellvertreter Frank Nocher für seine Arbeit dankte und den neuen stellvertretenden Dekan, Hermann Birschel, in sein Amt einführte. Sie hieß drei neuen Kolleginnen und Kollegen, das Pfarrerehepaar Allmut Gallmeier und Christian Ferber (Stephanusgemeinde Bensheim) sowie den neuen Seeheimer Pfarrer Tilmann Pape, im Dekanat willkommen. Gleichzeitig wurden Ulrich Schwemer (Heppenheim) und Herbert Igelhaupt in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Auch Pfarrerin Andrea Fröhlich (Heppenheim) verlässt das Dekanat in Richtung Darmstadt. Ihr wie den kommenden Ruheständler dankte die Dekanin ganz herzlich für ihr langjähriges Engagement.

Viel Zuspruch fand Ihr Einsatz gegen die Aufweichung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Immer mehr Kommunen würden, so berichtete die Dekanin, beim Kreis vorstellig, um Ausnahmeregelungen zu erwirken. „Landrat Wilkes hat mir versichert, dass er den Schutz des Sonntags für ein hohes Gut erachtet und er einen Missbrauch nicht dulden wird“, erklärte Scherf. Sie bat die Anwesenden darum, ihn beim Wort zu nehmen und in ihren Gemeinden wachsam zu sein. 

Mit einem gemeinsamen Gebet beendeten die Synodalen ihre Zusammenkunft.

Bild von links nach rechts: Präses Axel Rothermel, stellv. Dekan Hermann Birschel, Dekanin Ulrike Scherf, der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, Dr. Wolfgang Gern

Text u. Foto: Christian Rupp